Baumschnitt Tessiner Art

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Baumschnitt an Linde
Von *Fachleuten* durchgeführt - Baumschnitt auf Tessiner Campingplatz

In Kenntnis dieses Sprichwortes von Max Bewer wären die Urheber dieser Baumschnittmassnahmen vielleicht mit etwas mehr Sachverstand zu Werke gegangen. Weil man voraussetzt, wer diesen Aphorismus kennt schon per se etwas mehr Gefühl für die pflanzlichen Bewohner unserer belebten Umwelt aufbringt. Aber im Schatten dieser Bäume tantz niemand mehr. Und es wird auch auf längere Sicht gesehen keiner dort tanzen.

Es kann nur gerätselt werden, was den Betreiber des Campingplatzes zu solch einer drastischen Massnahme veranlasst hat. Der Erholungswert des Areals sinkt in unseren Augen gegen Null. Die nächstgelegene Weide hat mehr Charme um sein Zelt aufzuschlagen. Zudem wurde eine Grünoase in dieser Region nachhaltig geschädigt und man kann nur hoffen, dass die zuständige Gemeinde in Agno hier tätig wird und entsprechende Bussgelder verhängt. Nicht nur für den Besitzer sondern auch gegen das ausführende Unternehmen. Aber das wird wohl mehr Wunschdenken bleiben.Abgesehen von den unzähligen Tierarten die in Symbiose mit diesen Bäumen lebten und die Fauna auf lange Sicht gestört ist erstaunt uns doch eine Tatsache erheblich : mit wie wenig Gefühl für die lebende Pflanze hier vorgegangen wurde. Ein lebender Organismus, kastriert mit der Motorsäge zu einem Torso. Jahrzehntelange Wachstumsergebnisse entfernt in wenigen Minuten.
Geradezu ein Hohn ist es zudem wie teils versucht wurde der „Baumkastration“ den Anstrich des Fachlichen zu geben, durch geradezu lächerliche Ableitungsschnitte. Die Parodie eines solchen Schnittes ist auf Bild 5 ( der Baum rechts ) sehr gut verdeutlicht.

Es sind nun einige Faktoren, die die Bäume unter Stress setzen und in einen Überlebenskampf treten lassen. Da das Gleichgewicht zwischen ober- und unterirdischen Organen nun empfindlich gestört ist, werden Teile des Wurzelsystems absterben. Die grossflächigen Wunden sind Eingangspforten für ein Vielzahl von pilzlichen Erregern. Da aufgrund der Schnittführung die meisten Schnittflächen im Versorgungsschatten liegen, wird es dem Baum nicht gelingen die Wundflächen vollständig zu überwallen. Es kann vermutet werden, dass ein Grossteil der Bäume in einem Zeitraum von 10-20 Jahren Sanierungsfälle werden oder aus Gründen der Verkehrssicherheit entfernt werden müssen, da Fäulnis die Standsicherheit gefährdet.
Gemessen an der Lebenserwartung der Bäume spielen sich diese Prozesse in einer eher kurzen Zeitspanne ab.

Man kann bloss hoffen das diese zu Kleiderständern degradierten Bäume wenigstens eine Funktion erfüllen : als Mahnmal für jetzige und kommende Gärtnergenerationen. Als lebendes Beispiel für die Missachtung der Lebensform Baum und verbunden mit der Hoffnung, notwendige Schnittmassnahmen an Bäumen mit der nötigen Sorgfalt, Rücksicht und unter Beachtung der geltenden Erkenntnisse durchzuführen.

1 KOMMENTAR

  1. Sehr schöner Artikel. Man kann als Gärtner oft nur den Kopf darüber schütteln mit wie wenig Sachverstand und Gefühl oft Bäume beschnitten werden. Leider auch immer wieder von sogenannten Gartenbaufirmen.

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