Die Hoffnung auf Regen wächst

Rissiger und trockener Boden. Fast überall in der Schweiz zeigt sich aktuell ein ähnliches Bild: Die oberste Bodenschicht ist stark ausgetrocknet. (as

Die Böden und Wälder in der Schweiz sind staubtrocken. Zwar können die meisten Kulturen damit aktuell noch recht gut umgehen. Schäden bleiben aber nur dann aus, wenn es in den nächsten Tagen in der Schweiz verbreitet Niederschlag gibt. 

Seit über einem Monat hat es in der Schweiz kaum mehr geregnet. Zudem war es überdurchschnittlich warm und die Bise hat den Austrocknungseffekt verstärkt. Auf Feldern und in Wäldern sind die Böden staubtrocken. «Verbreitet fiel im April bisher gar kein Niederschlag. Im Bodenseeraum gab es magere 3 bis 6 Millimeter, in den Zentral- und Ostalpen zwischen 2 und 5 Millimeter», bestätigt Stephan Bader von der Abteilung Klima bei Meteo Schweiz diesen Eindruck.

Kaum ideale Bedingungen für die Aussaat von Mais, die in den letzten Tagen begonnen hat. «Ich gehe aktuell davon aus, dass die Böden noch ausreichend Feuchtigkeit aufweisen, um die Keimung zu erlauben», sagt Pierre-Yves Perrin, Geschäftsführer des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes (SGPV). Er hoffe aber in den nächsten 10 Tagen auf Regen. Dann würden die Probleme minim bleiben, ist er überzeugt. Auch ein Blick auf die Getreide- und Rapsfelder zeige, dass diese die Trockenheit zurzeit noch relativ gut ertragen würden, sagt Perrin.

Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Schweizer Bauernverbandes (SBV), teilt die Ansicht, dass die Lage aktuell noch nicht dramatisch ist. «Bis jetzt hat die Austrocknung der obersten Bodenschicht noch zu keinen grösseren Schäden geführt». Doch sei es dringend nötig, dass es in den nächsten zwei Wochen Niederschläge gebe, sowohl für die auflaufenden Kulturen wie auch für das Graswachstum, betont sie.

Diese Grafik von Meteo Schweiz veranschaulicht eindrücklich die landesweite Verbreitung der Trockenheit. (Screenshot: meteoschweiz.admin.ch) |

Hoffnung auf Regen

Die Einschätzungen von Sandra Helfenstein und Pierre-Yves Perrin beruhen beide auf der Hoffnung auf Regen in den nächsten Tagen. Das sollte im launenhaften April ja eigentlich kein Problem sein. «Die Wechselhaftigkeit ist zwar vielleicht das häufigste April-Muster, das wir aus der Vergangenheit gut kennen. Aber nicht jeder April läuft nach demselben Muster ab», sagt Stephan Bader von Meteo Schweiz. Die Niederschlagsmengen im April hätten sich über lange Zeit betrachtet nicht signifikant verändert. «Gleichzeitig sehen wir, dass der April auf der Alpennordseite in den letzten 20 Jahren deutlich sonniger geworden ist», sagt Bader. Mehr Sonnenschein heisse auch mehr Verdunstung. Die Sonnenscheindauer hat nördlich der Alpen bis Aprilmitte bereits den Durchschnittswert erreicht; das Potenzial für eine hohe Monatssumme ist also hoch.

Umso banger wird der Blick auf die Prognose für die nächsten Tagen, welche kaum Niederschläge verspricht. «Allerdings schwächt sich das aktuell wetterbestimmende Hochdruckgebiet ab und in der Folge scheint sich eine etwas wechselhaftere Phase einzustellen», sagt Stephan Bader. Am Wochenende seien sowohl am Samstag als auch am Sonntag gebietsweise Schauer möglich, besonders über den Bergen. Aber: Flächendeckend nass dürfte es nicht werden. Wenn doch, dann eher erst im Laufe der nächsten Woche. Aber solche Langzeitprognosen seien mit einer relativ grossen Unsicherheit verbunden. «Laut diesen dürften sich die Niederschlagsmengen und die Temperaturen im letzten April-Drittel und im ersten Mai-Drittel um das langjährige Mittel bewegen», sagt Bader.

Ob das die bangenden Landwirtinnen und Landwirt beruhigen kann, muss offenbleiben. «Die Wetteraussichten für die nächsten Tage wecken bei vielen Bauern Erinnerungen an das extreme Dürrejahr 2018», sagt Sandra Helfenstein vom SBV.

Weniger Austrocknung bei tieferen Böden

Und auch ein Blick auf eine aktuelle ETH-Studie namens «Swiss Soil Moisture Experiment» lässt diese Bedenken aufkommen. Im Rahmen dieser Studie wird seit 10 Jahren die Bodenfeuchte in der Schweiz erfasst und verglichen. Dabei zeigt sich, dass der Frühling 2020 seit Beginn der Aufzeichnungen der bisher trockenste ist. Auch wenn sich dies in den nächsten Tagen noch ändern kann, regt es zum Nachdenken an.

Und auch ein Blick auf die aktuellen Ergebnisse des Nationalen Forschungsprojektes Drought-CH, bei dem die ETH Zürich, die Universität Zürich, das WSL, Meteo Schweiz und die Universität Freiburg im Breisgau beteiligt sind, bringt ähnliches zutage. Auch dort zeigt sich ein verbreitetes Niederschlagsdefizit in der gesamten Schweiz.

Dr. Annelie Holzkämper von der Forschungsgruppe Klima und Landwirtschaft vom Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope in Zürich kann aufgrund von Studien belegen, dass die Trockenheit der Böden eine ertragslimitierende Rolle bei der Pflanzenproduktion in der Schweiz spielt, weil es zu Wasserdefiziten kommt. «Die Pflanzen können über die Wurzeln nicht mehr genügend Wasser aufnehmen, um ihren Wasserbedarf voll zu erfüllen», sagt die Forscherin. Auf tiefgründigeren Böden treten solche Wasserdefizite meist weniger schnell auf, da tiefwurzelnde Pflanzen auf Wasser aus tieferen Bodenschichten zurückgreifen können.

Anpassungen werden unumgänglich

Die Ausprägung der Trockenheit der Böden in der Schweiz weist starke regionale Unterschiede auf. «Als Hotspots landwirtschaftlicher Trockenheit treten der südwestliche Teil des Schweizer Mittellands sowie das Rhone-Tal hervor», sagt Annelie Holzkämper. Ihre Forschungsgruppe hat dies anhand von Modellen am Beispiel von Mais berechnet.

Studien hätten zudem gezeigt, dass mit der fortschreitenden Klimaerwärmung und bis Ende des Jahrhunderts der Wasserbedarf für die landwirtschaftliche Bewässerung zum Beispiel am Standort Payerne um bis zu 40 Prozent und mehr zunehmen kann, sagt sie. Veränderte Voraussetzungen, mit denen die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte künftig einen Umgang werden finden müssen.

Eine Möglichkeit sich an diese neuen Verhältnisse anzupassen, sei zum Beispiel die Bildung von Bewässerungsgenossenschaften, sagt Holzkämper. Dabei werde das Wasser meist aus «grossen» Quellen» wie zum Beispiel Seen oder Flüssen entnommen. Die Einrichtung von Wasserspeichern sei eine andere mögliche Option. Parallel dazu sollten wassersparende Massnahmen zum Einsatz kommen, betont Holzkämper. «Zum Beispiel könnten Tröpfchen- statt Sprinklerbewässerung zum Einsatz kommen. Oder die Bewässerung wird mit Hilfe von sensor-gestützten Bewässerungssystemen optimiert», sagt sie. Bodenverbessernde Massnahmen könnten zusätzlich helfen, das Wasserspeichervermögen landwirtschaftlicher Böden zu erhöhen, so dass Wasserdefizite besser abgefedert werden können.

Nicht zuletzt könne der Anbau von Sorten und Kulturen mit höherer Trockenheitstoleranz sinnvoll sein. «Kulturen, die unter trockenen Bedingungen gut gedeihen sind zum Beispiel Sorghum-Hirse oder Quinoa», sagt die Forscherin mit Blick in die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft.

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