Ganz schön gefährlicher Japankäfer

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Japankäfer
Japankäfer auf Weinrebe im Piemont, Fotografin: Cristina Marazzi, KPSD TI Oben links: Japankäfer, der typisches Alarmverhalten zeigt.

Der aus Asien stammende Japankäfer droht in der Schweiz schwere Schäden an Kultur- und Wildpflanzen anzurichten. Die Schweizerische Post präsentierte am 12. März 2020 zusammen mit dem Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD) eine Sonderbriefmarke zum Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit, die den attraktiv aussehenden Käfer zeigt. Die Abbildung soll die Früherkennung unterstützen.

Die Schweizerische Post präsentierte am 12. März 2020 in Liebefeld bei Bern eine Sonderbriefmarke zum Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit (siehe Kasten). Die Sondermarke mit einem Wert von 85 Rappen zeigt den Japankäfer und wurde in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD) vom wissenschaftlichen Illustrator Angelo Boog gestaltet. Der EPSD wird gemeinsam vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) betrieben.

Aufgrund der aktuellen Lage bezüglich des Coronavirus wurde auf eine herkömmliche Medienkonferenz verzichtet. Medienschaffende und Interessierte konnten die Übergabe und Enthüllung der Briefmarke exklusiv per Live-Stream verfolgen und Fragen wurden direkt per E-Mail, via Twitter und telefonisch beantwortet.

Akute Gefahr an der südlichen Landesgrenze

Der Japankäfer stammt – wie der Name sagt – ursprünglich aus Japan. Vor über 100 Jahren wurden Engerlinge des Japankäfers mit Blumenzwiebeln nach Amerika verschleppt, wo er seither massive Schäden anrichtet und mit grossem Aufwand bekämpft wird. Während die Engerlinge im Boden feuchter Wiesen leben und sich vorwiegend von Graswurzeln ernähren, frisst der erwachsene Käfer Blätter verschiedener Bäume (zum Beispiel Apfel, Ulme, Linde, Ahorn, Pfirsich), Sträucher (Weinrebe, Brombeere oder Rose) und anderer Pflanzen (Mais, Sojabohne etc.). Oft werden Pflanzen bis auf die Zweige und Blattskelette kahlgefressen.

Auf dem europäischen Festland wurde der Japankäfer erstmals im Sommer 2014 in der Nähe von Mailand festgestellt, in der Schweiz 2017 – und zwar im Südtessin bei Stabio, mit vorsorglich aufgestellten Fallen. Der Japankäfer kann aus eigener Kraft mehrere hundert Meter weit fliegen und sich so ausbreiten. Er kann aber auch im Inneren von Autos und Lastwagen, mit Topfpflanzen oder Erde über grössere Distanzen verschleppt werden. Letztes Jahr wurden im Tessin erstmals vereinzelte Japankäfer in der freien Natur festgestellt. Ob diese sich vermehrt haben, lässt sich noch nicht sagen. Es muss jedoch mit einer weiteren Ausbreitung in die Schweiz gerechnet werden.

Früherkennung hat hohe Priorität

Wenn der Japankäfer sich einmal festgesetzt hat, wird es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Kleine, isolierte Vorkommen können mit Lockfallen und durch Einsammeln bekämpft werden. Bei einem grösseren Befall müssten biologische und mechanische Bekämpfungsmethoden zum Einsatz kommen, mit dem Ziel, einem sprunghaften Anstieg der Käfer vorzubeugen. Da der Japankäfer in der Schweiz keine bekannten natürlichen Feinde hat, wäre eine grosse Vermehrung mit massiven ökologischen und ökonomischen Folgen verbunden. BLW-Direktor Christian Hofer unterstrich anlässlich der Enthüllung der Briefmarke denn auch die grosse Gefahr, die vom Japankäfer, aber auch von anderen Schädlingen und Krankheitserregern ausgeht: «Eingeschleppte Insekten, Nematoden, Bakterien, Pilze oder Viren können die Pflanzengesundheit und damit die Erzeugung von Lebensmitteln empfindlich beeinträchtigen». BAFU-Vizedirektor Paul Steffen betonte für den Lebensraum Wald: «Der Wald erbringt wichtige Leistungen – z.B. schützt er vor Naturgefahren. Aber es ist schwierig, Schadorganismen im Wald zu bekämpfen. Darum ist die Vorsorge hier zentral. Ein wichtiger Pfeiler der Vorsorge ist die Früherkennung: Die aufmerksamen Augen von Profis und Laien können einen Befall früh entdecken, so dass der Japankäfer bekämpft werden kann, bevor er sich im Wald ausbreitet».

Wichtiger Beitrag von Berufsleuten und Bevölkerung

Bei der 2019 erfolgreich abgeschlossenen Tilgung einzelner Befallsherde des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) spielten Hinweise aus der Bevölkerung und von Berufsleuten, die mit Pflanzen umgehen, eine entscheidende Rolle. Auch bei der Früherkennung des Japankäfers können Laien sowie Gärtnerinnen, Landwirte oder Waldeigentümerinnen eine grosse Hilfe sein. Im Verlauf des Jahres wird der EPSD Informationsmaterial bereitstellen, um die Identifikation weiterer Pflanzenschädlinge und Krankheitserreger zu unterstützen. Neben dem Japankäfer sind dies beispielsweise der mit dem ALB nahe verwandte Citrusbockkäfer, der Eschenprachtkäfer oder das für den Tomatenanbau gefährliche Jordan-Virus. Der EPSD wird dabei unterstützt durch die nationalen Hauptpartner im Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit (siehe Kasten).

Einfach zu erkennender Schädling
Der Japankäfer hat einheimische Verwandte wie den Gartenlaubkäfer oder den Junikäfer. Dennoch ist der Japankäfer auch für Laien gut zu erkennen: Er ist 8 bis 12 mm lang (und damit kleiner als er auf der Briefmarke erscheint). Die Flügeldecken sind metallisch kupferfarben; Kopf und Körper schimmern gold-grün. Unverkennbar sind die weissen Haarbüschel: je fünf kleine auf beiden Seiten des Hinterleibs und zwei grössere am hinteren Körperende. Bei einem Verdacht sollte der Käfer eingefangen und fotografiert, sowie umgehend der zuständige kantonale Pflanzenschutzdienst informiert werden. Die Kontaktangaben finden sich unter www.pflanzengesundheit.ch.

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