Roboter auf dem Feld

Modernste Technik in der Landwirtschaft

Roboter, Drohnen, GPS: Digitalisierung und Automatisierung sind im Stall und auf dem Feld auf dem Vormarsch. Die Technik bringt dem Landwirt viele Vorteile, aber sie verlangt auch viel von ihm.

Ecorobotix auf Feld im Einsatz
Roboter Der Feldroboter der Firma „Ecorobotix“ erkennt Unkräuter und bringt die Herbizide gezielt aus. So sind weniger Herbizide notwendig.

Nach der Mechanisierung und der Automatisierung hat „Smart Farming“ in die Landtechnik Eingang gefunden. Komplexe, intelligente Systeme liefern dem Landwirt Daten zur Überwachung und Steuerung von landwirtschaftlichen Geräten. Man könnte Smart Farming auch mit „Schlaues Bauern“ übersetzen, erklärte Hans Werner Griepentrog, Professor an der Uni Hohenheim Stuttgart, an der Nachhaltigkeitstagung der Forschungsanstalt Agroscope. Für den Einzug der Digitalisierung in die Landwirtschaft hat sich sogar der Begriff „Landwirtschaft 4.0“ etabliert.

Geräte kommunizieren miteinander

Roboter gehören zu den eindrucksvollen Vorzeigegeräten des Smart Farmings, sei es im Kuhstall oder auf dem Feld. Der Fütterungsroboter übernimmt nicht nur die Futtervorlage, sondern er mischt auch die verschiedenen Futterkomponenten. Dabei soll er in Zukunft mit dem „Rumiwatch“ kommunizieren, ein im Halfter der Kuh integrierter Sensor, der die Wiederkau- und Fressaktivität der Kühe misst. Kauen die Kühe im Durchschnitt weniger wieder, dann weist dies darauf hin, dass zu wenig Rohfasern im Futter ist. Der Fütterungsroboter soll dann automatisch mehr rohfaserreiche Produkte in die Ration mischen. Tierindividuelle Daten lassen auch Krankheiten und Brunst der Kühe leichter erkennen. Je mehr Tiere der Landwirt hält, desto wichtiger werden für ihn die zusätzlichen Informationen, da er pro Tier immer weniger Zeit aufwänden kann.

Schont Umwelt und Ressourcen

Im Feldbau gibt es Roboter zum gezielten Ausbringen von Pestiziden oder auch Düngemitteln. Der Roboter der Firma „ecorobotix“ zum Beispiel erkennt Unkräuter mittels Farbkameras und appliziert eine Mikrodosis Herbizid genau an der richtigen Stelle. Der selbstfahrende, nur 130 kg schwere Roboter wird von GPS gesteuert und bezieht seine Energie aus zwei Photovoltaik-Modulen. Er nimmt dem Landwirt nicht nur Arbeit ab, sondern reduziert die Herbizidmenge auf etwa 5% der Menge, die es beim breitflächigen Ausbringen braucht. So wird die Umwelt geschont. Dank geringerer Spritzmittelkosten amortisiere sich die Anschaffung nach 6 bis 8 Jahren, berichtet Claude Juriens von der gleichnamigen Firma. Auch Drohnen, unbemannte Flugkörper, sind zu Helfern des Landwirts geworden. Ausgerüstet mit verschiedenen Sensoren können sie zum Beispiel im Feld ausfindig machen, wo mehr oder weniger gedüngt werden muss. So lassen sich Dünger und damit Ressourcen sparen. Die Messmethoden entwickelten sich schnell, sagt Achim Walter, Professor am Institut für Agrarwissenschaften der ETH Zürich. In 5 bis 10 Jahren würden sie auch in der Schweiz zum Einsatz kommen. „Wir stehen erst am Anfang“, bestätigt Reiner Doluschitz, Professor an der Uni Hohenheim Stuttgart.

Muss benutzerfreundlich sein

„Smart Farming eröffnet Möglichkeiten, die vorher nicht denkbar waren“, sagt Christina Umstätter, Arbeitsforscherin an der Agroscope in Tänikon. Wie so oft, wenn etwas Neues auf den Markt kommt, sieht der Käufer allerdings zuerst die Vorteile und ist sich wenig bewusst, was die neue Technik sonst noch mit sich bringt. Was ist, wenn die Technik ausfällt? Oft kann der Landwirt nicht mehr zurück zur Handarbeit. Es können Gefühle der Hilflosigkeit auftreten. „Kontrollverlust ist einer der grössten Stressoren für den Menschen“, betont die Forscherin. Im Mittelpunkt des technischen Fortschrittes muss der Mensch stehen. Die Technik soll benutzerfreundlich und einfach in der Handhabung sein. Wie ein Stock oder eine Gabel zu einem verlängerten Arm wird, so muss auch die moderne Technik zu einem komplikationslosen Hilfsmittel werden.

„Das Wichtigste ist mein Handy“

Technik macht auch abhängig. Rolf Bigler leitet einen vielseitigen Familienbetrieb in Moosseedorf BE. Zusammen mit Sohn und Tochter sowie drei Mitarbeitern sorgt er für 120 Milchkühe sowie einen grösseren Schweinebestand und betreut daneben einen Wärmeverbund. Eine effiziente Bewirtschaftung ist nur dank moderner Technik möglich. Dazu gehören zwei Melk- und ein Fütterungsroboter für die Kühe, GPS-Steuerung der Traktoren sowie die elektronische Steuerung der Holzschnitzelheizungen. Viele Daten und Signale kommen auf dem Handy des Betriebsleiters zusammen. Das hat den Vorteil, dass dieser die wichtigen Informationen bei sich hat und eingreifen kann, wenn etwas nicht in Ordnung ist. „Das Schlimmste, das mir passieren könnte, ist ein Stromausfall oder dass mein Handy ausfallen könnte“, unterstreicht der Landwirt die Wichtigkeit seines Smartphones.

Die Technik bringt dem Landwirt viele Vorteile, aber sie verlangt auch viel von ihm. „30 Prozent meiner Tätigkeit bin ich damit beschäftigt, die Technik am Laufen zu halten“, berichtet Bigler. Und nicht nur das. Er muss rund um die Uhr erreichbar sein. „Ich kann es mir nicht vorstellen, das Handy abzuschalten“, sagt er. Wichtigste Anforderung an die Technik sei, dass sie sich einfach bedienen lässt. Doch müsse man vor der Anschaffung berechnen, ob sich die Investitionskosten amortisieren lassen und sich überlegen, was die Technik sonst noch mit sich bringt. An das Schneeschaufeln morgens um drei Uhr, damit der Fütterungsroboter in den Stall fahren kann, hatte er zum Beispiel nicht gedacht, als er ihn bestellte.

Quelle: Michael Götz, Landwirtschaftlicher Informationsdienst

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