Terrakotta ist nicht gleich Terrakotta

Terrakotta im Winter

Frostsicher, frostfest, frostbeständig, frostresistent – die deutsche Sprache gibt den Händlern von Terrakotta-Pflanzgefäßen viele Möglichkeiten, ihren Produkten die gewünschten Eigenschaften zu verleihen. Aber wie steht es mit dem geschriebenen Wort in der Wirklichkeit?

Terracotta-Töpfe im Schnee
Terracotta-Töpfe im Schnee. Ob das gut geht?

Terrakotta – eine kurze Einführung

Ton bildet die Grundlage für die Herstellung. Die Hauptbestandteile des Tones sind Tonerde, Kieselsäure und Wasser. Aber gerade der Gehalt an den verschiedenen mineralischen Begleitstoffen wie Eisenoxid, Kaliumoxid, Aluminiumoxid, Kupferoxid und anderen bestimmen die Qualität des fertigen Terracotta-Gefäßes. Somit ist es verständlich, dass Werkstücke aus verschiedenen geografischen Gegenden auch unterschiedliche Qualitätsmerkmale aufweisen.

Impruneta und der Rest der Welt

Ein kleines Dorf in der Toskana nahe bei Florenz namens Impruneta ist mit Tonvorkommen gesegnet, welche eine ganz besondere Zusammensetzung aufweisen. Der hohe Anteil an Aluminium-, Kupfer- und Eisenoxiden lässt einen äußerst robusten „Scherben“ entstehen. Bei Brenntemperaturen um 950 bis 980 Grad werden die Poren stark verdichtet und die Neigung Wasser aufzunehmen wird reduziert.

Somit ergibt sich eine hohe Frostresistenz und eine geringe Neigung zu Ausblühungen. Diese Erscheinung beruht auf einem Mineralientransport an die Gefäßaußenwände und hinterlässt einen weißlichen Belag auf der Oberfläche.

Auch Terrakotta-Gefäße aus der Gegend um Siena, ebenfalls in der Toskana gelegen, weisen ähnliche Eigenschaften auf. Und Impruneta-Terrakotta ist inzwischen weltweit ein Synonym für erstklassige Tonwaren.

Aber diese Erstklassigkeit hat auch Ihren Preis und somit ist die Auswahl an maschinell gefertigten Tongefäßen groß. Da hier aber Ton und Tongemische von geringerer Qualität verwendet werden und die aufwändigen Trocken- und Brennvorgänge nicht eingehalten werden, sind Produkte von eher geringer Haltbarkeit das Resultat. Die großporigen Gefäße haben die Eigenschaft, sich stark mit Wasser voll zu saugen und sind nicht frostfest.

Terrakotta im Winter: Das sollten Sie beachten

Welche Kräfte gefrierendes Wasser freisetzen kann, ist gemeinhin bekannt und so kann man von einer hundertprozentigen Frostbeständigkeit nie ausgehen. Aber unter Einhaltung der nachfolgend aufgeführten Punkte können Sie einiges erreichen. Grundsätzlich gilt: Maschinell gefertigte Gefäße müssen frostfrei überwintert werden. Töpfe der Impruneta-Qualität sind frostsicher, für eine lange Lebensdauer sollten aber auch hier Maßnahmen getroffen werden. Dasselbe gilt für glasierte Steinzeuggefäße aus Asien.

  • Das Gefäß sollte nicht im Schneematsch stehen. Stellen Sie es auf Füße.
  • Entfernen Sie aufliegenden Schnee vor dem Tauwetter.
  • Das Abzugsloch mit einer Kieselschicht und darauf liegendem Vlies vor dem Zusetzen schützen.
  • Bei konischen Gefäßen kann sich gefrorene Erde nach oben besser ausdehnen als bei parallelen Seitenwänden.
  • Bei der Pflanzung auf sandige Erde achten. Schweres, lehmiges Substrat hält das Wasser lange.
  • Intensive Sonneneinstrahlung sorgt für eine auftauende Oberfläche. Da das Wasser aber über die noch gefrorene Erde nicht ablaufen kann, gefriert es erneut und kann somit zu Abplatzungen führen.
  • Ein Umwickeln des Gefäßes mit Folie kann vor Nässe schützen. Noppenfolie ist auch ein guter Frostschutz für empfindliches Wurzelwerk.
  • Sollte es Ihnen möglich sein, wählen Sie einen überdachten Standort während der Wintermonate.
  • Überdenken Sie die Möglichkeit zum Kauf einer Terrakotta-Nachbildung. Es gibt inzwischen recht ansehnliche Imitate aus Kunststoff oder GFK. Winterschäden können hier nicht auftreten.

Tipp:

Bevor Sie Ihr Gefäß bepflanzen, wässern Sie es ausgiebig. Dadurch wird verhindert, dass dem Erdreich Feuchtigkeit entzogen wird. Sollte Ihr Gefäß durch Ausblühungen eine unschöne Patina zeigen, lassen Sie es zwei Tage in einem Wasserbad. Bürsten Sie es danach ab und es sieht beinahe wieder wie neu aus.

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