Die Maulwurfsgrille oder Werre
Viele kleine, mysteriöse Löcher im Rasen können auf einen ganz bestimmten Bewohner hinweisen: die Maulwurfsgrille oder Werre. Etwas martialisch sieht dieses ungewöhnliche Insekt durchaus aus. Doch nicht jede Werre im Garten muss gleich bekämpft werden. Erst bei stärkerem Auftreten können ihre Grabtätigkeit und Schäden an Pflanzenwurzeln zum Problem werden.
In der Zoologie kennt man die Werre unter dem Namen Gryllotalpa vulgaris. Die Maulwurfsgrille ist von hellbrauner Färbung, 4-6 cm lang und samtig behaart. Die Flügel sind im Ruhezustand gefaltet und dienen natürlich zum Fliegen. Und was dieses Insekt mit einem Maulwurf als Namensgeber zu tun hat kann man bei genauer Betrachtung des vorderen Beinpaares leicht erkennen. Die Beine sind grabschaufelartig ausgebildet. Und damit gräbt das Insekt im Boden fingerdicke Gänge.
Wenn die weibliche Maulwurfsgrille befruchtet ist, beginnt sie ein etwa faustgrosses Nest anzulegen, in einer Tiefe von 10-15 cm. Und würde es nicht reichen Löcher in den Rasen zu graben, beginnt die weibliche Werre nun damit die Graswurzeln über der Brutstätte abzufressen um den Bewuchs darüber zu entfernen. Diese Aktion dient vermutlich dazu, das der Boden über dem Nest schneller erwärmt und somit eine rasche Entwicklung der Eier zu fördern. Den grössten Schaden allerdings verursachen die Werren durch die Wühltätigkeit im Boden beim Anlegen des Nestes.
Nicht nur ein Pflanzenschädling
Die Werre lebt einen grossen Teil ihres Lebens unter der Erde. Im Frühjahr beziehungsweise Frühsommer beginnt die Fortpflanzungszeit. Das Weibchen legt unterirdisch eine etwa faustgrosse Brutkammer an und legt darin zahlreiche Eier ab.Über der Brutstätte werden teilweise Pflanzenwurzeln beschädigt. Dadurch wird die Vegetation über dem Nest dünner und der Boden kann sich stärker erwärmen. Schäden entstehen jedoch nicht nur durch Wurzelfrass. Vor allem die intensive Grabtätigkeit kann Pflanzen lockern, Wurzeln beschädigen und in Rasenflächen sichtbare Spuren hinterlassen. Trotzdem ist die Maulwurfsgrille nicht einfach nur ein Pflanzenfresser.Sie ernährt sich auch von tierischer Nahrung und frisst beispielsweise Insekten und deren Larven sowie andere kleine Bodenorganismen. Eine einzelne Werre im Garten ist deshalb noch lange kein Grund für Bekämpfungsmassnahmen.
Erst wenn eine grössere Population tatsächlich sichtbare Schäden verursacht, sollte eingegriffen werden.
Maulwurfsgrillen mögen feuchte Böden
Eine frühere Fassung dieses Artikels trug an dieser Stelle die Überschrift „Werren mögen kein Wasser“. Diese Aussage lässt sich so nicht aufrechterhalten und die Aussage bezog sich auf Staunässe. Was natürlich zur Gefährdung der Brut führt somit Standorte mit Staunässe gemieden werden. Maulwurfsgrillen kommen durchaus auf feuchten Standorten vor. Geeignete, gut grabbare Böden bieten ihnen optimale Bedingungen für ihr unterirdisches Gangsystem.
Larven und erwachsene Tiere überwintern tief im Boden. Die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier dauert deutlich länger als nur eine Gartensaison. Deshalb können auf einer befallenen Fläche gleichzeitig unterschiedliche Entwicklungsstadien vorkommen. Genau das ist später auch für die Bekämpfung von Bedeutung.
Maulwurfsgrillen nur bei starkem Befall bekämpfen
Nicht jede Maulwurfsgrille muss aus dem Garten verschwinden. Ein Eingreifen ist vor allem dann sinnvoll, wenn tatsächlich Schäden auftreten – beispielsweise wenn grössere Rasenbereiche durch die Grabtätigkeit beeinträchtigt werden oder Pflanzen wiederholt geschädigt werden. Bei geringem Auftreten können zunächst mechanische Methoden ausreichen. Eine einfache Möglichkeit sind ebenerdig eingegrabene Gefässe mit glatten, steilen Wänden. Da die Tiere während der Nacht auch oberirdisch unterwegs sind, können sie in solche Gefässe fallen und anschließend eingesammelt werden. Auch vorhandene Nester können gezielt gesucht und entfernt werden. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass die Tiere ein durchaus nützlicher Bestandteil des Bodenlebens sein können. Eine vollständige Vernichtung ist nicht das Ziel.
Nematoden gegen Maulwurfsgrillen
Bei stärkerem Befall bietet sich eine biologische Bekämpfung mit Nematoden an. Bewährt haben sich dabei entomopathogene Nematoden der Art Steinernema carpocapsae. Diese winzigen Fadenwürmer suchen geeignete Wirtsinsekten im Boden auf und können insbesondere die jüngeren Entwicklungsstadien der Maulwurfsgrille reduzieren. Für eine erfolgreiche Anwendung müssen die Bedingungen stimmen. Der Boden sollte ausreichend warm sein. Als Richtwert gelten mindestens etwa 12 °C Bodentemperatur. Nach dem Ausbringen muss der behandelte Boden ausreichend feucht gehalten werden, damit sich die Nematoden bewegen und ihre Wirte erreichen können.
Eine einmalige Behandlung beseitigt eine etablierte Population nicht zwangsläufig vollständig. Da sich Maulwurfsgrillen über mehrere Jahre entwickeln und nicht alle Entwicklungsstadien gleich gut erfasst werden, kann eine wiederholte Anwendung über zwei bis drei Jahre notwendig sein. Entscheidend ist außerdem der richtige Anwendungszeitpunkt. Deshalb sollten bei einem gekauften Nematodenpräparat die Angaben des Herstellers zur Anwendung und zum optimalen Zeitraum genau beachtet werden.
Chemische Bekämpfung: Alte Empfehlungen gelten nicht mehr
In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels empfahlen wir zur Bekämpfung der Maulwurfsgrille unter anderem das Produkt Cortilan mit dem Wirkstoff Chlorpyrifos. Später wurde im Artikel auf ein anderes Insektizid verwiesen.
Diese Empfehlungen sind heute überholt und werden von uns ausdrücklich nicht mehr empfohlen.
Zulassungen und zulässige Anwendungsbereiche von Pflanzenschutzmitteln verändern sich. Hinzu kommt, dass in der Schweiz für nichtberufliche Anwender strengere Anforderungen gelten. Die Tatsache, dass ein bestimmtes Insektizid erhältlich oder gegen andere Schädlinge zugelassen ist, bedeutet nicht, dass es auch gegen Maulwurfsgrillen im privaten Garten eingesetzt werden darf. Wer Pflanzenschutzmittel verwendet, sollte deshalb grundsätzlich überprüfen, ob das betreffende Produkt aktuell in der Schweiz für den konkreten Anwendungsbereich und für nichtberufliche Anwender zugelassen ist.
Bei Maulwurfsgrillen stehen für den Hausgarten ohnehin biologische und mechanische Verfahren zur Verfügung, sodass auf eine pauschale Empfehlung chemischer Insektizide verzichtet werden kann.
Spülmittel gegen Werren?
In den Kommentaren zu diesem Artikel berichtete ein Leser von guten Erfahrungen mit Spülmittel und Wasser, das in die Gänge gegeben wurde. Solche Erfahrungsberichte sind interessant und die entsprechenden Kommentare bleiben selbstverständlich erhalten. Als redaktionelle Empfehlung möchten wir diese Methode jedoch nicht übernehmen. Hausmittel sind nicht automatisch umweltverträglich, nur weil die verwendeten Produkte ohnehin im Haushalt vorhanden sind. Wer Maulwurfsgrillen gezielt bekämpfen muss, kann auf besser kontrollierbare mechanische Methoden oder geeignete Nematoden zurückgreifen.
Unser Fazit
Die Maulwurfsgrille sieht ungewöhnlich aus und ihre kräftigen Grabbeine lassen bereits erahnen, wozu sie im Boden fähig ist. Trotzdem ist sie nicht automatisch ein Schädling, der beim ersten Auftreten bekämpft werden muss. Einzelne Tiere können toleriert werden. Entstehen dagegen deutliche Schäden durch eine grössere Population, sind mechanische Fallen eine einfache erste Massnahme. Bei stärkerem Befall stellen Nematoden mit Steinernema carpocapsae eine interessante biologische Bekämpfungsmöglichkeit dar.
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