Rasen aerifizieren: Was es bringt und wann es wirklich sinnvoll ist

Mähen, düngen und vertikutieren gehören zu den bekannten Pflegemassnahmen für den Rasen. Weniger bekannt ist das Aerifizieren. Dabei geht es tatsächlich um die Belüftung des Bodens – und vor allem darum, Verdichtungen im Wurzelraum zu lösen.

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Rasen aerifizieren: Was es bringt und wann es wirklich sinnvoll ist

Besonders auf stark beanspruchten Rasenflächen kann der Boden mit der Zeit so dicht werden, dass Wasser nur noch schlecht einsickert und den Wurzeln weniger Luft zur Verfügung steht. Hier kann Aerifizieren helfen. Für einen lockeren, gut durchlässigen Hausrasen ist die Massnahme dagegen nicht automatisch notwendig.

Aerifizieren ist nicht dasselbe wie Vertikutieren

Beim Vertikutieren arbeiten Messer überwiegend in der obersten Rasenschicht. Sie entfernen Rasenfilz, Moos und abgestorbenes Pflanzenmaterial.

Beim Aerifizieren geht es tiefer. Geräte mit Hohlzinken stechen in den Boden und ziehen kleine Bodenkerne heraus. Dadurch entstehen Kanäle, durch die Luft und Wasser leichter in den Wurzelraum gelangen können. Gleichzeitig wird der Boden mechanisch entlastet und Verdichtung reduziert.

Wann sollte man einen Rasen aerifizieren?

Typische Hinweise auf einen verdichteten Boden sind Staunässe nach Regen, oberflächlich ablaufendes Wasser oder ein Rasen, der trotz ausreichender Pflege nur flach wurzelt. Auch häufig begangene Flächen, Spielrasen und Bereiche mit schwerem, lehmigem Boden profitieren eher vom Aerifizieren.

Bei einem normalen Hausrasen muss nicht jedes Jahr aerifiziert werden. Entscheidend ist der Zustand des Bodens. Stark beanspruchte Flächen können häufiger behandelt werden, bei lockeren Böden reicht eine wesentlich längere Pause.

Der richtige Zeitpunkt

Ideal ist eine Phase, in der der Rasen aktiv wächst und sich anschliessend schnell regenerieren kann. Im Schweizer Mittelland eignen sich vor allem das Frühjahr sowie der Spätsommer und frühe Herbst.

Während einer Hitze- oder Trockenperiode sollte nicht aerifiziert werden. Auch stark durchnässte Böden sind ungeeignet, weil sie durch das Befahren zusätzlich verdichtet werden können.

Hohlzinken sind die wirksamste Methode

Für eine echte Bodenlockerung sind Aerifizierer mit Hohlzinken besonders geeignet. Sie stechen kleine zylindrische Bodenkerne aus der Grasnarbe heraus. Geräte mit massiven Dornen erzeugen dagegen lediglich Löcher und verdrängen dabei den Boden seitlich.

Auf kleinen Flächen kann auch eine Hohlzinkengabel eingesetzt werden. Bei grösseren Rasenflächen lohnt es sich, ein motorisiertes Gerät bei einem Gartenmaschinenhändler oder Mietpark auszuleihen.

So gehen Sie vor

Der Rasen sollte vor der Behandlung gemäht, aber nicht extrem kurz geschnitten werden. Anschliessend wird die Fläche mit dem Aerifizierer möglichst gleichmässig bearbeitet. Bei stärkeren Verdichtungen sind mehrere Durchgänge in unterschiedlichen Richtungen sinnvoll.

Die ausgestochenen Bodenkerne können aufgenommen werden. Auf geeignetem Boden können sie aber auch antrocknen, zerkleinert und wieder in die Grasnarbe eingearbeitet werden.

Muss nach dem Aerifizieren immer gesandet werden?

Nein. Das hängt stark vom Boden ab.

Auf schweren, verdichteten Böden kann ein geeignetes Topdressing helfen, die entstandenen Löcher offen zu halten und die Bodenstruktur langfristig zu verbessern. Dafür wird das Material dünn über die Fläche verteilt und mit einem Besen oder Rechen in die Aerifizierlöcher eingearbeitet.

Bei gut strukturierten Böden ist eine reine Sandgabe jedoch nicht zwingend notwendig. Entscheidend ist, dass das verwendete Material zur vorhandenen Bodenart passt.

Aerifizieren und Nachsäen lassen sich gut kombinieren

Nach dem Aerifizieren bestehen besonders günstige Bedingungen für eine Nachsaat. Saatgut gelangt teilweise in die entstandenen Öffnungen und hat dort guten Bodenkontakt.

Vor allem bei lückigen oder stark beanspruchten Rasenflächen lässt sich das Aerifizieren deshalb gut mit einer Nachsaat verbinden. Anschliessend sollte die Fläche gleichmässig feucht gehalten werden.

Das Wichtigste in Kürze

Aerifizieren ist vor allem eine Massnahme gegen Bodenverdichtung. Es ersetzt weder das Vertikutieren noch die normale Rasenpflege. Auf problematischen Böden kann es jedoch Wasserführung, Durchlüftung und Wurzelwachstum deutlich verbessern.

Für viele Hausgärten gilt deshalb: nicht routinemässig aerifizieren, sondern dann, wenn der Boden es tatsächlich braucht.

Kommentare (11)

User
Filiz
Filiz 5 Jahre vor
Hallo Siggi, Wo krieg ich denn so einen Aerifizierer. Ich habe schon öfters Baugeschäften ‘Gartenabteilung‘ nachgefragt die kennen das nicht
Filiz
Filiz 5 Jahre vor
Die frage mit dem Aerifizierer sollte an Peter Sturm gehen und nicht an Sigggi! Soorry
Peter Sturm
Peter Sturm 5 Jahre vor
Hallo Filiz, in Baumärkten wird man diese Maschine sicher nicht finden. Und es wird auch nicht so leicht sein ein Mietgerät zu bekommen. Am besten Du kontaktierst einen Gartenmaschinenhändler. Wenn überhaupt, dann denke ich kannst Du das Gerät nur dort finden.
Peter Sturm
Peter Sturm 6 Jahre vor
Sehr gerne Siggi! Bei Gartenfragen einfach kurz melden, wir helfen gerne wo es möglich ist. Gruss Team Gartenwoche
Siggi
Siggi 6 Jahre vor
Guten Tag Herr Sturm. Ich habe jetzt Löcher in meinen Rasen gestanzt. Wäre es ratsam, den Rasen zu düngen, bevor ich ihn sande oder sollte ich damit erstmal warten?
Peter Sturm
Peter Sturm 6 Jahre vor
Hallo Siggi, nein, vor dem Sanden nicht düngen! Am besten jetzt im Sommer nach dem Sanden biologische Bodenaktivstoffe wie Meeresalgenextrakt oder dergleichen auf dem Rasen ausbringen. Das stärkt den Rasen in den Sommermonaten gegen den Hitzestress und fördert das Wurzelwachstum. Wir haben sehr gute Erfolge damit. Leider weiss ich nicht was in DE hierfür auf dem Markt ist, wir haben unseren flüssigen Bodenaktivator aus Italien. Wenn alle Stricke reissen könnte ich Ihnen eine Flasche besorgen. Das ist quasi flüssiger Kompost, wir bringen den mit der Rückenspritze aus. Haben Sie im Frühjahr Langzeitdünger gegeben? Schöne Grüsse Peter Sturm
Siggi
Siggi 6 Jahre vor
Muß man die gestanzten Löcher komplett mit Sand füllen? Ich meine, wird dann nicht dem Bodenauflockern entgegen gewirkt?
Peter Sturm
Peter Sturm 6 Jahre vor
Hallo Siggi, man kann das ausgestanzte Material entweder abräumen und die Löcher mit Sand verfüllen oder aber auch das Material mit einem Schleppnetz wieder in die Löcher befördern. Bei schweren Böden lockert der Sand die Bodenstruktur nachhaltig auf. Ist der Boden ausreichend humos, kommt das lockere, durch das Schleppnetz zerriebene Material wieder in die Löcher. In beiden Fällen wurde aber ein Hauptziel des Aerifizierens erreicht: eventuelle Bodenverdichtungen wurden entfernt. Wasser und Nährstoffe gelangen wieder besser an die Wurzeln, die Wurzelatmung wird erleichtert. Die Löcher nicht zu verfüllen, wäre kontraproduktiv. Denn dann würden ja die Würzeln auf Dauer "blossgelegt" und nehmen Schaden, sowie auch neue Wurzeln nicht in Hohlräume wachsen können. Ich hoffe damit hinreichend geholfen zu haben. Schöne Grüsse von der Gartenwoche.
Siggi
Siggi 6 Jahre vor
Blitzantwort!!!! Absolut super. Vielen Dank !!!!!!!