Hexenringe im Rasen

Manchmal erscheinen im Rasen über Nacht zahlreiche kleine Pilze, die einen nahezu perfekten Kreis bilden. In anderen Fällen fällt zunächst ein auffallend dunkelgrüner Ring auf, während die Grasnarbe innerhalb oder entlang des Kreises braun wird und abstirbt. Hinter diesen ungewöhnlichen Erscheinungen stecken sogenannte Hexenringe. Sie sind meist kein Grund zur Sorge, können unter bestimmten Bedingungen aber erhebliche Rasenschäden verursachen.

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Hexenringe im Rasen

Wie entstehen Hexenringe?

Hexenringe werden durch verschiedene im Boden lebende Pilze verursacht. Zu den bekanntesten gehört der Nelken-Schwindling (Marasmius oreades), der häufig auf Rasenflächen und Wiesen anzutreffen ist. Doch auch zahlreiche andere Pilzarten können kreisförmige Erscheinungen hervorrufen.

Die Pilze ernähren sich vor allem von abgestorbenem organischem Material im Boden, beispielsweise von alten Wurzeln, Pflanzenresten oder Rasenfilz. Ihr unterirdisches Pilzgeflecht, das sogenannte Myzel, wächst von einem Ausgangspunkt aus nach aussen. Da sich das Wachstum unter günstigen Bedingungen in alle Richtungen ungefähr gleichmässig fortsetzt, entsteht mit der Zeit ein Kreis.

Der sichtbare Ring kann sich über Jahre vergrössern und mehrere Meter Durchmesser erreichen. Dabei ist der eigentliche Pilz grösstenteils unsichtbar: Die gelegentlich erscheinenden Pilzhüte sind lediglich seine Fruchtkörper.

Drei unterschiedliche Erscheinungsformen

Nicht jeder Hexenring sieht gleich aus. Für die richtige Behandlung ist entscheidend, welche Auswirkungen der Pilz auf den Rasen hat.

Typ 1: Absterbender Rasen

Diese Form verursacht die stärksten Schäden. Entlang des Rings oder in seinem unmittelbaren Bereich vertrocknen die Gräser und sterben teilweise ab. Ursache ist häufig ein dichtes Pilzgeflecht im Boden, das zusammen mit wasserabweisenden Pilzbestandteilen die Aufnahme und Verteilung von Wasser behindert.

Selbst bei regelmässiger Bewässerung kann die betroffene Bodenschicht trocken bleiben. Besonders während längerer Hitze- und Trockenperioden werden die Schäden sichtbar.

Typ 2: Dunkelgrüne Ringe

Hier zeigt sich ein auffallend kräftig grüner Grasstreifen, ohne dass die Grasnarbe zwingend abstirbt. Beim Abbau organischer Substanz werden Nährstoffe, insbesondere Stickstoff, freigesetzt. Die Gräser wachsen dadurch stärker und erhalten eine intensivere Grünfärbung als die umgebende Rasenfläche.

Solche Ringe sind vor allem ein optisches Problem und erfordern normalerweise keine direkte Bekämpfung.

Typ 3: Pilze ohne erkennbare Rasenschäden

Bei dieser Erscheinungsform sind lediglich die kreisförmig angeordneten Fruchtkörper zu sehen. Der Rasen bleibt ansonsten gesund. Die Pilze können nach feuchter Witterung plötzlich erscheinen und nach wenigen Tagen wieder verschwinden.

Eine Behandlung ist hier nicht notwendig. Wer sich an den Pilzen stört, kann die Fruchtkörper vor dem Mähen entfernen.

Warum vertrocknet der Rasen trotz Bewässerung?

Bei schädigenden Hexenringen liegt das Problem häufig nicht an einer grundsätzlich zu geringen Wassermenge, sondern an der eingeschränkten Benetzbarkeit des Bodens. Bestimmte Pilze können organische Bodenbestandteile so verändern, dass Wasser nur noch schlecht eindringt.

Das Giesswasser fliesst dann teilweise seitlich ab oder durch bevorzugte Wasserwege in tiefere Schichten, während andere Bereiche trocken bleiben. An der Oberfläche lässt sich das nicht immer erkennen. Ein Blick mit dem Spaten in die betroffene Bodenschicht zeigt oft, dass der Boden trotz Bewässerung auffallend trocken ist.

Diese sogenannte Wasserabweisung kann auch unabhängig von Hexenringen auftreten, beispielsweise auf sandigen Böden oder bei stark ausgetrocknetem Rasenfilz. Deshalb sollte vor einer Behandlung geprüft werden, ob tatsächlich ein Hexenring die Ursache der Schäden ist.

Hexenringe im Rasen behandeln

Bei Hexenringen ohne abgestorbene Gräser ist meist keine Behandlung erforderlich. Die Pilze gehören zur natürlichen Bodenflora und übernehmen eine wichtige Funktion beim Abbau organischer Stoffe. Eine vollständige Beseitigung des Pilzgeflechtes ist weder einfach noch in jedem Fall sinnvoll.

Wenn der Rasen jedoch entlang des Rings vertrocknet, sollte zunächst versucht werden, die Wasserversorgung der betroffenen Bodenschicht wiederherzustellen.

Boden gezielt durchfeuchten

Die wichtigste Massnahme besteht darin, den wasserabweisenden Bereich gründlich und wiederholt zu durchfeuchten. Kurzes oberflächliches Sprengen reicht häufig nicht aus. Das Wasser muss tatsächlich in jene Bodenschichten gelangen, in denen sich das Pilzgeflecht befindet.

Hilfreich kann es sein, den Boden mit einer Grabegabel oder einem geeigneten Aerifiziergerät vorsichtig zu perforieren. Dadurch entstehen zusätzliche Wege, über die Wasser eindringen kann. Bei stark ausgetrockneten Bereichen ist eine langsame Bewässerung in mehreren Durchgängen oft wirksamer als eine grosse Wassermenge auf einmal.

Anschliessend sollte mit einem Spaten kontrolliert werden, ob die Feuchtigkeit tatsächlich in der betroffenen Tiefe angekommen ist.

Bodenbenetzungsmittel gezielt einsetzen

Im professionellen Rasenmanagement werden bei wasserabweisenden Böden spezielle Bodenbenetzungsmittel, sogenannte Wetting Agents, verwendet. Sie können helfen, die Benetzbarkeit des Bodens zu verbessern und das Wasser gleichmässiger zu verteilen.

Für Privatgärten kommen nur Produkte infrage, die ausdrücklich für diesen Verwendungszweck geeignet sind. Die Anwendung muss nach Herstellerangaben erfolgen. Ein Bodenbenetzungsmittel beseitigt den Pilz nicht, kann aber die durch Wasserabweisung verursachten Rasenschäden vermindern.

Von Hausmitteln wie Geschirrspülmittel ist abzuraten. Solche Produkte sind nicht für die Anwendung im Rasenboden entwickelt worden und können unerwünschte Auswirkungen haben.

Beschädigte Rasenflächen regenerieren

Ist die Grasnarbe bereits abgestorben, genügt die Wiederherstellung der Bodenfeuchtigkeit allein nicht immer. Sobald sich der Boden wieder gleichmässig durchfeuchten lässt, können abgestorbene Pflanzenreste entfernt und die Fläche nachgesät werden.

Bei grösseren Schäden empfiehlt sich eine Nachsaat während einer günstigen Wachstumsperiode, vorzugsweise im Spätsommer oder Frühherbst. Wichtig ist, dass die jungen Gräser ausreichend Feuchtigkeit erhalten und der Boden nicht erneut stark austrocknet.

Helfen Fungizide gegen Hexenringe?

Eine chemische Bekämpfung ist bei Hexenringen schwierig. Das Pilzgeflecht kann sich tief im Boden befinden, und nicht alle beteiligten Pilzarten reagieren gleich auf eine Behandlung. Selbst dort, wo im professionellen Rasenmanagement entsprechende Fungizide eingesetzt werden, ist der Erfolg von zahlreichen Faktoren abhängig.

Für den privaten Hausrasen in der Schweiz sollte deshalb nicht auf eine chemische Behandlung gesetzt werden. Entscheidend ist, ob ein konkretes Produkt für die betreffende Anwendung überhaupt zugelassen ist. Eine pauschale Empfehlung für ein Fungizid wäre fachlich nicht gerechtfertigt.

Auch das vollständige Ausgraben des Pilzgeflechtes ist normalerweise keine praktikable Lösung. Der erforderliche Bodenaustausch kann sehr umfangreich sein und bietet keine sichere Gewähr dafür, dass später keine neuen Hexenringe auftreten.

Kann man Hexenringen vorbeugen?

Hexenringe lassen sich nicht zuverlässig verhindern. Pilze und ihre Sporen sind ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt. Mit einer angepassten Rasenpflege können jedoch Bedingungen geschaffen werden, unter denen sich Schäden weniger stark auswirken.

Eine ausgewogene Nährstoffversorgung fördert eine widerstandsfähige Grasnarbe. Ebenso wichtig ist eine bedarfsgerechte Bewässerung, die den Boden ausreichend tief durchfeuchtet, statt ihn lediglich oberflächlich zu benetzen. Während längerer Trockenperioden sollte besonders auf Bereiche geachtet werden, die ungewöhnlich schnell austrocknen.

Starker Rasenfilz kann die Wasseraufnahme zusätzlich erschweren. Ist tatsächlich eine ausgeprägte Filzschicht vorhanden, kann eine gezielte Vertikutiermassnahme sinnvoll sein. Regelmässiges Vertikutieren allein verhindert jedoch keine Hexenringe.

Woher stammt der Name Hexenring?

Früher konnten sich die Menschen die plötzlich auftretenden, nahezu perfekten Pilzkreise nicht erklären. Im Volksglauben galten sie als Orte, an denen Hexen oder andere übernatürliche Wesen nachts getanzt hatten. Daher stammt die Bezeichnung Hexenring, die sich bis heute erhalten hat.

Tatsächlich steckt hinter den geheimnisvollen Kreisen ein natürlicher biologischer Vorgang: das nach aussen gerichtete Wachstum eines unterirdischen Pilzgeflechtes.

Fazit

Hexenringe sind nicht grundsätzlich schädlich. Dunkelgrüne Grasringe oder kreisförmig wachsende Pilze können ohne Weiteres toleriert werden. Erst wenn Gräser absterben, besteht Handlungsbedarf.

Dann sollte vor allem geprüft werden, ob der Boden im betroffenen Bereich wasserabweisend geworden ist. Eine gezielte, tief reichende Durchfeuchtung und gegebenenfalls ein geeignetes Bodenbenetzungsmittel sind meist sinnvoller als aufwendige Versuche, den Pilz vollständig zu beseitigen.

Kommentare (2)

User
Peter Sturm
Peter Sturm 7 Jahre vor
Danke für Ihren Kommentar Herr Bauriedl. Es freut uns das Sie mit der Methode Erfolg hatten und dies mit anderen Lesern teilen. Sollten Sie Gartenfragen haben, dürfen Sie sich jederzeit bei uns melden. Wir versuchen immer zu helfen. Gruss P.Sturm
Ruedi Bauriedl
Ruedi Bauriedl 7 Jahre vor
Betr. Hexenringe Ich hatte einige hartnäckge Hehenringe. Letzten Sommer habe ich sie mit einer Bodenlanze und Wasser "behandelt". Die Bodenlanze habe ich 15 bis 20 cm tief in den Boden gestossen. Den Abstand hebe sehr eng gehalten. Bis jetzt zeigen sich keine Anzeigen von erneuten Hexenringen. Mit freundlichen Grüssen Ruedi Bauriedl