Weihnachtskaktus: So gelingt die Blüte im Winter

Der Weihnachtskaktus gehört zu den beliebtesten blühenden Zimmerpflanzen der kalten Jahreszeit. Doch nicht immer erscheinen die erhofften Blüten. Wer im Herbst für die richtigen Lichtverhältnisse, kühlere Temperaturen und eine angepasste Wasserversorgung sorgt, kann die Knospenbildung gezielt fördern.

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Weihnachtskaktus: So gelingt die Blüte im Winter
Ein Weihnachtskaktus (*Schlumbergera*, Truncata-Gruppe) in voller Blüte. Damit sich zahlreiche Blütenknospen entwickeln, benötigt die Pflanze im Herbst kühlere Temperaturen und längere Dunkelphasen. Foto: Empereur Day / Bearbeitung: Peter Coxhead / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Wenn sich im November und Dezember die ersten farbenprächtigen Blüten des Weihnachtskaktus öffnen, wird die ursprünglich aus Brasilien stammende Pflanze zum Blickfang auf der Fensterbank. Ihre auffälligen Blüten erscheinen in Weiss, Rosa, Rot, Violett und verschiedenen Zwischentönen. Manche Sorten entwickeln sogar zweifarbige Blüten. Bei guter Pflege kann ein Weihnachtskaktus viele Jahrzehnte alt werden und jedes Jahr aufs Neue blühen.

Allerdings erleben viele Pflanzenbesitzer eine Enttäuschung: Obwohl die Pflanze gesund aussieht und kräftig wächst, bildet sie kaum oder überhaupt keine Blütenknospen. Häufig liegt das nicht an mangelnder Pflege, sondern an den Bedingungen während der Herbstmonate. Denn ausgerechnet jetzt entscheidet sich, ob der Weihnachtskaktus im Winter seine ganze Blütenpracht entfalten kann.

Kein gewöhnlicher Kaktus

Botanisch gehört der Weihnachtskaktus zur Gattung Schlumbergera. Anders als die meisten bekannten Kakteen stammen diese Pflanzen nicht aus trockenen Wüstengebieten, sondern aus den feuchten Berg- und Küstenwäldern Brasiliens. Dort wachsen sie häufig als Aufsitzerpflanzen auf Bäumen oder auf felsigen Standorten, geschützt vor intensiver Sonneneinstrahlung.

Diese Herkunft erklärt ihre besonderen Ansprüche. Weihnachtskakteen bevorzugen einen hellen Standort ohne intensive Mittagssonne, eine durchlässige Erde und eine gleichmässige, aber nicht übermässige Wasserversorgung. Ihre flachen, gegliederten Triebe übernehmen die Funktion der Blätter und speichern begrenzt Feuchtigkeit.

Im Handel werden verschiedene Schlumbergera-Arten und Hybriden unter dem Namen Weihnachtskaktus angeboten. Besonders verbreitet sind Formen von Schlumbergera truncata, die häufig schon im November blühen. Der klassische Weihnachtskaktus Schlumbergera × buckleyi entwickelt seine Blüten dagegen meist etwas später.

Kühle Temperaturen fördern die Knospenbildung

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine reiche Blüte ist eine Ruhephase im Herbst. Während der Wachstumszeit im Frühjahr und Sommer fühlen sich Weihnachtskakteen bei Temperaturen um 18 bis 22 Grad wohl. Im Herbst sollten die Temperaturen jedoch deutlich sinken.

Ideal sind während der Knospenbildung etwa 12 bis 15 Grad. Ein helles, unbeheiztes Schlafzimmer, ein kühler Wintergarten oder ein entsprechend temperierter Hausflur können dafür geeignete Standorte sein. Wichtig ist, dass die Pflanze weiterhin ausreichend Tageslicht erhält und vor Frost geschützt bleibt.

Die kühlere Phase sollte möglichst mehrere Wochen dauern. Sobald sich deutlich erkennbare Blütenknospen gebildet haben, kann die Pflanze wieder etwas wärmer stehen. Temperaturen um 18 bis 20 Grad sind während der anschliessenden Blütezeit günstig.

Warum künstliches Licht die Blüte verhindern kann

Neben der Temperatur beeinflusst auch die Tageslänge die Blütenbildung. Weihnachtskakteen gehören zu den Kurztagpflanzen. Das bedeutet, dass sie zur Bildung ihrer Blütenknospen längere, möglichst ununterbrochene Dunkelphasen benötigen.

Im Herbst entstehen diese Bedingungen normalerweise von selbst. Problematisch wird es allerdings, wenn die Pflanze in einem abends hell beleuchteten Wohnzimmer steht. Künstliches Licht kann die erforderliche Dunkelphase unterbrechen und dadurch die Knospenbildung verzögern oder verhindern.

Wer seinen Weihnachtskaktus zuverlässig zum Blühen bringen möchte, sollte ihm über mehrere Wochen täglich ungefähr 12 bis 14 Stunden ungestörte Dunkelheit ermöglichen. Ein heller Raum, in dem abends kein Licht eingeschaltet wird, eignet sich dafür besonders gut. Bei ausreichend kühlen Temperaturen kann die Blütenbildung allerdings auch ohne eine streng eingehaltene Dunkelphase einsetzen.

Im Herbst weniger giessen

Mit dem Beginn der Ruhephase verändert sich auch der Wasserbedarf. Während der Sommermonate wird regelmässig gegossen, sobald die oberste Erdschicht leicht abgetrocknet ist. Im Herbst darf das Substrat zwischen den Wassergaben etwas stärker abtrocknen.

Vollständig austrocknen sollte der Wurzelballen allerdings nicht. Anders als Wüstenkakteen reagieren Weihnachtskakteen empfindlich auf längere Trockenperioden. Ebenso problematisch ist Staunässe, die rasch zu Wurzelschäden führen kann. Überschüssiges Wasser sollte deshalb immer aus dem Übertopf entfernt werden.

Auch auf Dünger kann während dieser Zeit verzichtet werden. Die eigentliche Wachstums- und Düngephase liegt zwischen Frühjahr und Spätsommer. Eine zusätzliche Stickstoffversorgung im Herbst ist für die Knospenbildung nicht erforderlich.

Sobald sich die ersten Blütenknospen zeigen, wird die Pflanze wieder etwas regelmässiger gegossen. Dabei bleibt Fingerspitzengefühl gefragt: Die Erde sollte leicht feucht, aber niemals dauerhaft nass sein.

Wenn die Knospen plötzlich abfallen

Manchmal entwickelt der Weihnachtskaktus zahlreiche Knospen, verliert diese jedoch, bevor sich die Blüten öffnen. Häufig sind abrupte Veränderungen der Standortbedingungen dafür verantwortlich. Besonders empfindlich reagieren knospende Pflanzen auf starke Temperaturschwankungen, kalte Zugluft, Staunässe oder einen plötzlichen Wechsel der Lichtverhältnisse.

Ein gelegentliches Drehen des Topfes führt nicht zwangsläufig zum Knospenfall. Trotzdem empfiehlt es sich, die Pflanze während der empfindlichen Knospenentwicklung möglichst gleichmässigen Bedingungen auszusetzen. Ein Standortwechsel aus einem kühlen Raum direkt neben einen warmen Heizkörper ist beispielsweise ungünstig.

Auch frisch gekaufte Weihnachtskakteen verlieren gelegentlich einzelne Knospen. Ursache kann bereits der Transport aus dem Gewächshaus über ein kühles Verkaufsumfeld in eine warme Wohnung sein.

Nach der Blüte beginnt die nächste Ruhephase

Ist die Blütezeit vorüber, darf sich der Weihnachtskaktus erneut erholen. Von Ende Januar bis etwa März sind etwas kühlere Temperaturen und zurückhaltendes Giessen sinnvoll. Anschliessend beginnt mit zunehmender Tageslänge die neue Wachstumsperiode.

Im Frühjahr können ältere Pflanzen bei Bedarf umgetopft werden. Eine lockere, strukturstabile und gut durchlässige Zimmerpflanzenerde, beispielsweise mit einem Anteil mineralischer Zuschlagstoffe, eignet sich dafür gut. Gleichzeitig lassen sich einzelne Triebglieder abnehmen und als Stecklinge bewurzeln.

Während der warmen Jahreszeit kann der Weihnachtskaktus an einem geschützten, halbschattigen Platz im Freien stehen. Vor den ersten kalten Nächten muss er allerdings wieder ins Haus gebracht werden.

Wer diesen natürlichen Jahresrhythmus berücksichtigt, wird meist mit einer zuverlässigen Blüte belohnt. Besonders wichtig ist dabei die herbstliche Ruhephase: Nicht zusätzliche Pflege, sondern kühlere Temperaturen und längere Nächte sind häufig der Schlüssel zu einer üppigen Blüte.

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