Obstbäume im Herbst: Jetzt Krankheiten und Schädlingen vorbeugen

Nach der Obsternte ist der richtige Zeitpunkt, um Krankheiten und Schädlingen für das kommende Jahr vorzubeugen. Italienische Pflanzenschutzfachleute empfehlen in ihrem aktuellen Herbstbulletin verschiedene Massnahmen, die auch für private Gartenbesitzer interessant sind. Dazu gehören das Entfernen befallener Früchte, die Verringerung überwinternder Krankheitserreger und die biologische Bekämpfung des Apfelwicklers.

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Obstbäume im Herbst: Jetzt Krankheiten und Schädlingen vorbeugen
So entsteht die Monilia Fruchtfäule. Zur vergrösserten Darstellung bitte auf das Bild klicken. .

Mit dem Ende der Obsternte beginnt eine wichtige Phase der vorbeugenden Gartenpflege. Viele Krankheitserreger und Schädlinge überwintern direkt an den Obstbäumen, in abgefallenen Blättern oder in geschützten Bereichen der Rinde. Sobald im Frühjahr die Temperaturen steigen, können sie erneut aktiv werden und junge Blätter, Blüten oder Früchte befallen.

Der Pflanzenschutzdienst der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien hat in seinem letzten Bioobstbau-Bulletin der Saison 2026 auf verschiedene Massnahmen nach der Ernte hingewiesen. Die Empfehlungen richten sich zwar an den professionellen Apfelanbau, einige davon lassen sich jedoch gut auf den privaten Obstgarten übertragen. Besonders interessant sind Massnahmen, die den Krankheits- und Schädlingsdruck ohne zusätzliche chemische Pflanzenschutzmittel verringern können.

Monilia-Fruchtfäule: Fruchtmumien konsequent entfernen

Wer im Herbst eingetrocknete Äpfel, Birnen, Zwetschgen oder Kirschen an seinen Obstbäumen entdeckt, sollte diese möglichst vollständig entfernen. Häufig handelt es sich um sogenannte Fruchtmumien, die durch einen Befall mit Pilzen der Gattung Monilinia entstehen können. Diese verursachen die Monilia-Fruchtfäule, eine verbreitete Krankheit bei Kern- und Steinobst.

Die Infektion erfolgt häufig über Verletzungen der Fruchtschale, beispielsweise durch Insektenfrass, Hagelschäden oder Vogelfrass. Zunächst bilden sich braune Faulstellen, die sich rasch über die Frucht ausbreiten können. Charakteristisch sind die oft ringförmig angeordneten, hellbraunen oder grauen Sporenpolster auf der Oberfläche. Im weiteren Verlauf trocknen die Früchte ein und bleiben teilweise bis weit in den Winter am Baum hängen.

Genau darin liegt das Problem. Die Monilia-Pilze können in diesen Fruchtmumien überwintern und im folgenden Jahr erneut Sporen bilden. Unter günstigen Witterungsbedingungen können diese weitere Früchte infizieren. Fruchtmumien sind deshalb nicht einfach vertrocknete Überreste der letzten Ernte, sondern mögliche Infektionsquellen für die kommende Saison.

Befallene Früchte sollten sowohl aus den Baumkronen als auch vom Boden entfernt werden. Um eine weitere Verbreitung der Krankheitserreger zu vermeiden, empfiehlt sich die Entsorgung über einen geeigneten Entsorgungsweg statt über einen gewöhnlichen, wenig erhitzten Gartenkompost. Auch abgestorbene, eindeutig von Monilia befallene Triebe können eine Infektionsquelle darstellen und sollten bei geeigneter Witterung fachgerecht entfernt werden.

Apfelschorf: Das Falllaub spielt eine entscheidende Rolle

Eine weitere wichtige Krankheit im Apfelgarten ist der Apfelschorf (Venturia inaequalis). Er verursacht olivgrüne bis dunkelbraune Flecken auf den Blättern und korkige, häufig rissige Stellen auf den Früchten. Besonders bei feuchter Witterung kann sich der Pilz stark ausbreiten.

Der Erreger überwintert hauptsächlich im abgefallenen Laub. Während der Wintermonate entwickeln sich darin die Strukturen, aus denen im Frühjahr neue Sporen freigesetzt werden. Diese können bei geeigneter Witterung junge Blätter und Früchte infizieren und damit den nächsten Krankheitszyklus auslösen.

Nach einer Saison mit starkem Schorfbefall ist es deshalb sinnvoll, das Falllaub unter den betroffenen Apfelbäumen gezielt zu behandeln. In kleineren Gärten kann es zusammengetragen und entfernt werden. Alternativ lässt sich das Laub mit einem Rasenmäher fein zerkleinern, wodurch seine Zersetzung beschleunigt und die Entwicklung der überwinternden Pilzstadien eingeschränkt wird.

Dabei muss nicht sämtliches Herbstlaub aus dem Garten verschwinden. Gesundes Laub ist ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Kleintiere und trägt zur Humusbildung bei. Entscheidend ist vielmehr, die Infektionsquellen unmittelbar unter stark befallenen Apfelbäumen zu reduzieren.

Apfelwickler: Nematoden bekämpfen überwinternde Larven

Besonders interessant ist eine Empfehlung der italienischen Fachberater zur biologischen Bekämpfung des Apfelwicklers (Cydia pomonella). Dieser Schädling verursacht die bekannten Frassgänge in Äpfeln und kann bei starkem Auftreten erhebliche Schäden anrichten.

Nach Abschluss ihrer Entwicklung verlassen die Larven die Früchte und suchen geschützte Stellen zur Überwinterung auf. Häufig befinden sich diese in Rindenritzen oder anderen Verstecken am Stamm. Genau dort kann eine biologische Herbstbehandlung ansetzen.

Die italienischen Fachberater empfehlen bei hohem Befallsdruck den Einsatz insektenpathogener Nematoden der Arten Steinernema carpocapsae oder Steinernema feltiae. Diese mikroskopisch kleinen Fadenwürmer können in die überwinternden Larven eindringen und sie abtöten. Dadurch lässt sich die Zahl der Schädlinge reduzieren, die im kommenden Frühjahr ihre Entwicklung fortsetzen.

Entscheidend für den Erfolg sind ausreichend hohe Feuchtigkeit und geeignete Temperaturen. Die Nematoden sind gegenüber Austrocknung empfindlich und benötigen günstige Bedingungen, um ihre Wirte zu erreichen. Die italienischen Berater empfehlen, insbesondere die mittleren und unteren Bereiche der Bäume zu behandeln, wo sich überwinternde Larven aufhalten können.

Für Gartenbesitzer in der Schweiz ist wichtig, ausschliesslich geeignete und für die betreffende Anwendung zugelassene beziehungsweise zulässige Präparate zu verwenden. Die konkreten Anwendungsvorschriften und Temperaturanforderungen des Herstellers müssen eingehalten werden.

Apfelblutlaus: Auch im Herbst auf Befall achten

Die Apfelblutlaus (Eriosoma lanigerum) kann selbst im Herbst noch aktiv sein. Im italienischen Herbstbulletin berichten die Fachberater, dass in einigen Apfelanlagen im Oktober erneut verstärkt Kolonien beobachtet wurden.

Erkennbar ist der Schädling an seinen auffälligen weissen, watteartigen Wachsausscheidungen. Die Läuse sitzen häufig an jungen Trieben, Schnittstellen und geschützten Bereichen der Rinde. Bei stärkerem Befall können durch ihre Saugtätigkeit knotige Wucherungen entstehen.

Gartenbesitzer sollten betroffene Bäume deshalb auch nach der Ernte kontrollieren. Nicht jeder Befall erfordert eine unmittelbare Behandlung, denn natürliche Gegenspieler können zur Regulierung beitragen. Besonders wichtig ist die Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali), die Apfelblutläuse parasitiert.

Das italienische Bulletin beschreibt für bestimmte Befallssituationen auch eine biologische Behandlung mit dem Pilz Beauveria bassiana. Ob entsprechende Präparate in der Schweiz für diesen Zweck eingesetzt werden dürfen, muss anhand der aktuellen Zulassung geprüft werden.

Krankheitsverdächtige Triebe rechtzeitig erkennen

Nach dem Laubfall werden Veränderungen an Ästen und Trieben häufig besser sichtbar. Abgestorbene Zweige, ungewöhnliche Rindenveränderungen oder auffällige Wuchsformen können Hinweise auf Krankheiten sein. Allerdings sollte nicht jede Auffälligkeit automatisch zu einem umfangreichen Rückschnitt führen.

Die italienischen Fachberater weisen insbesondere auf Feuerbrand und Apfeltriebsucht hin. Bei der Apfeltriebsucht können büschelig angeordnete Triebe, kleine, gelbliche Blätter und auffallend kleine Früchte auftreten. Bei bestätigtem Befall empfehlen sie, die betroffenen Bäume einschliesslich des Wurzelsystems zu entfernen.

Bei Verdacht auf diese Krankheiten ist eine fachliche Abklärung wichtig. Für Feuerbrand und andere geregelte Pflanzenkrankheiten sind zudem die jeweils geltenden Schweizer und kantonalen Pflanzenschutzbestimmungen zu beachten.

Weniger Infektionsquellen bedeuten bessere Voraussetzungen

Die vorbeugende Herbstpflege kann einen wichtigen Beitrag zur Pflanzengesundheit leisten. Werden befallene Früchte entfernt, stark schorfbefallenes Laub gezielt behandelt und überwinternde Schädlinge rechtzeitig berücksichtigt, lassen sich wichtige Ausgangsquellen für neue Infektionen und Schädlingsgenerationen reduzieren.

Nicht jede Massnahme ist bei jedem Obstbaum erforderlich. Entscheidend ist, welche Krankheiten und Schädlinge während der vergangenen Saison tatsächlich aufgetreten sind. Eine gezielte Pflege ist deshalb meist sinnvoller als vorsorgliche Behandlungen ohne konkreten Anlass.

Die Empfehlungen aus Italien zeigen, dass ein erfolgreicher Pflanzenschutz häufig schon lange vor dem ersten Austrieb beginnt. Wer seine Obstbäume jetzt aufmerksam kontrolliert und vorhandene Infektionsquellen reduziert, schafft bessere Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung und eine erfolgreiche Ernte im kommenden Jahr.

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