Neue invasive Wanze in Europa: Was Gartenbesitzer über Erthesina fullo wissen sollten
Eine weitere invasive Wanzenart rückt in Europa ins Blickfeld. Erthesina fullo, international als Yellow-spotted Stink Bug bekannt, wurde von der Europäischen Pflanzenschutzorganisation EPPO 2026 neu auf die Alert List gesetzt. Grund dafür sind ihre grosse Zahl an Wirtspflanzen, ihre Fähigkeit zur Verschleppung über Handel und Verkehr sowie mehrere Funde ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets.
Die Art stammt ursprünglich aus Asien. In Europa ist sie inzwischen in Albanien etabliert. Einzelne Tiere wurden ausserdem in Griechenland, Belgien und 2026 auch in Italien nachgewiesen. Besonders der Fund in Venetien ist für die Schweiz interessant, weil Norditalien geografisch vergleichsweise nahe liegt.
Auffällig gelb-schwarz gezeichnet
Ausgewachsene Tiere sind relativ grosse, schildförmige Wanzen. Charakteristisch ist die dunkelbraune bis schwarze Grundfärbung mit zahlreichen gelblichen Flecken. Auch die Seiten des Hinterleibs zeigen eine auffällige schwarz-gelbe Zeichnung.
Obstgehölze gehören zu den wichtigsten Wirtspflanzen
Erthesina fullo ist ausgesprochen wenig wählerisch. Nach Angaben der EPPO sind mehr als 60 Wirtspflanzenarten aus über 30 Pflanzenfamilien bekannt.
Darunter befinden sich zahlreiche Pflanzen, die auch in privaten Gärten häufig vorkommen: Apfel, Birne, Pfirsich, Aprikose, Kiwi, Granatapfel und verschiedene Zitrusarten. Hinzu kommen zahlreiche Zier- und Wildgehölze wie Linden, Robinien, Pappeln und Ulmen.
Damit unterscheidet sich die Art deutlich von spezialisierten Schädlingen, die nur wenige Pflanzenarten befallen. Sollte sie sich in Mitteleuropa etablieren, könnte sie sowohl Obstgärten als auch öffentliche Grünanlagen und Privatgärten betreffen.
Wie entstehen die Schäden?
Sowohl Nymphen als auch erwachsene Wanzen saugen an Blättern, jungen Trieben, Blüten und Früchten. An Früchten können dadurch Verfärbungen, Verkorkungen und Verformungen entstehen.
Bei stärkerem Befall können Früchte vorzeitig abfallen. Auch sekundäre Infektionen sind möglich, weil Pilze oder Bakterien über die Einstichstellen in das Pflanzengewebe eindringen können.
Für Obstkulturen ist deshalb nicht nur die Menge der geschädigten Früchte relevant. Schon äusserliche Verformungen können dazu führen, dass Früchte kaum noch vermarktbar sind.
Ein blinder Passagier
Ein besonderes Problem ist die Art ihrer Ausbreitung. Erthesina fullo kann als sogenannter „Hitchhiker“ über grosse Entfernungen transportiert werden.
Die Wanzen können sich auf Fahrzeugen, Maschinen, Containern, Verpackungen oder Gepäck befinden. Auch Pflanzenmaterial, Schnittgut und Früchte kommen als Transportweg infrage.
Genau dieses Verhalten macht invasive Wanzenarten schwer kontrollierbar. Sie müssen nicht zwingend zusammen mit einer bestimmten Wirtspflanze eingeschleppt werden.
Europa wird zunehmend interessant für die Art
Die EPPO stuft insbesondere Teile Südeuropas als klimatisch geeignet ein. Modellrechnungen aus früheren Studien kommen ebenfalls zum Ergebnis, dass sich für die Art in Teilen Europas geeignete Lebensräume finden.
Bemerkenswert ist zudem, dass sich klimatisch geeignete Gebiete langfristig eher in Richtung gemässigter Regionen verschieben könnten. Damit ist nicht gesagt, dass sich die Art zwangsläufig in Mitteleuropa etablieren wird. Die Voraussetzungen dafür könnten aber günstiger werden.
Italienischer Fund ist noch kein Befall
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Fund und einer etablierten Population. In Venetien wurde im April 2026 ein adultes Tier entdeckt.
Das bedeutet nicht, dass die Art dort bereits dauerhaft vorkommt oder sich vermehrt. Solche Einzelfunde sind jedoch wichtig, weil sie zeigen, dass die Wanze tatsächlich über Transportwege nach Mitteleuropa gelangen kann.
Auch in Belgien wurde 2025 ein einzelnes adultes Tier gefunden. Aus Griechenland sind einzelne Funde eines erwachsenen Tieres und einer Nymphe bekannt. In Albanien dagegen gilt Erthesina fullo bereits als etabliert.
Für die Schweiz noch kein Grund zur Beunruhigung
Für die Schweiz gibt es derzeit keinen Hinweis darauf, dass Erthesina fullo etabliert ist. Der Fund in Norditalien macht die Art aber zu einem Schädling, den man zumindest kennen sollte.
Ähnlich wie bei anderen invasiven Insekten ist eine frühe Erkennung besonders wertvoll. Je früher eine neu eingeschleppte Art entdeckt wird, desto grösser ist die Chance, ihre weitere Ausbreitung zu verhindern.
Gartenbesitzer müssen deshalb keinesfalls beginnen, jede unbekannte Wanze zu bekämpfen. Sinnvoller ist es, auffällige Tiere zu fotografieren und bei einem begründeten Verdacht fachlich bestimmen zu lassen.
Nicht mit der Marmorierten Baumwanze verwechseln
In der Schweiz ist vor allem die Marmorierte Baumwanze Halyomorpha halys inzwischen weithin bekannt. Auch sie stammt ursprünglich aus Asien und befällt zahlreiche Obst- und Zierpflanzen.
Erthesina fullo gehört ebenfalls zu den Baumwanzen, besitzt jedoch eine andere Zeichnung. Besonders die zahlreichen gelblichen Flecken auf der dunklen Körperoberfläche fallen auf.
Für Gartenbesitzer lohnt es sich deshalb, nicht jede grosse Wanze automatisch als Marmorierte Baumwanze abzutun. Mit der zunehmenden Globalisierung kommen immer wieder neue Arten nach Europa.
Beobachten statt in Panik geraten
Noch ist Erthesina fullo für Schweizer Gärten kein akutes Problem. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, wie schnell sich das Bild verändern kann.
Vor wenigen Jahren war die Art in Europa praktisch kein Thema. Inzwischen ist sie in Albanien etabliert, wurde in mehreren weiteren europäischen Ländern gefunden und steht auf der EPPO-Alert-Liste.
Für Gartenbesitzer bedeutet das vor allem eines: aufmerksam bleiben. Bei unbekannten, auffällig gelb-schwarz gezeichneten Wanzen an Obstgehölzen lohnt sich ein genauer Blick.
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