Werden Hortensien zum Problemfall im Klimawandel?
Hortensien gehören seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Blütensträuchern in europäischen Gärten. Besonders die Bauernhortensie Hydrangea macrophylla ist mit ihren grossen blauen, rosa oder weissen Blütenständen aus vielen Gärten kaum wegzudenken. Doch die Royal Horticultural Society warnt inzwischen: Heissere und trockenere Sommer setzen den beliebten Sträuchern zunehmend zu.
Die Zahlen aus Grossbritannien sind auffällig. Seit 2023 haben sich die Beratungsanfragen der RHS zu Hitze- und Trockenschäden an Hortensien mehr als verdreifacht. Noch vor wenigen Jahren lagen Hortensien bei den gemeldeten Hitzeschäden lediglich auf Platz sieben. Inzwischen sind sie die Pflanzengruppe, zu der sich Gartenbesitzer während Hitzeperioden am häufigsten Rat holen.
Typische Symptome sind welke Blätter, braune oder verbrannte Blattränder und eine deutlich schwächere Blütenbildung. Vor allem Pflanzen in vollsonniger Lage geraten während längerer Hitzeperioden schnell unter Stress. Das Problem liegt nicht allein in hohen Temperaturen, sondern in der Kombination aus Hitze, trockener Luft und fehlender Bodenfeuchtigkeit.
Besonders Bauernhortensien geraten unter Druck
Nicht alle Hortensien reagieren gleich empfindlich. Nach Beobachtungen der RHS gehören klassische Bauern- und Tellerhortensien zu den Arten, die bei Trockenheit und intensiver Sommersonne vergleichsweise schnell Probleme bekommen. Ihre grossen Blätter verdunsten viel Wasser, gleichzeitig besitzen die Pflanzen keine ausgeprägte Trockenheitsresistenz.
Etwas besser schneiden Rispenhortensien, Hydrangea paniculata, ab. Sie gelten als robuster gegenüber Hitze und kommen auch mit sonnigeren Standorten besser zurecht. Voraussetzung ist allerdings auch hier ein Boden, der genügend Feuchtigkeit speichern kann. Selbst robuste Rispenhortensien geraten bei extremer und lang anhaltender Trockenheit an ihre Grenzen.
Die RHS konnte diesen Unterschied auch in ihren eigenen Gärten beobachten. Hortensien an halbschattigen oder beschatteten Standorten kamen deutlich besser durch längere heisse und trockene Perioden als Pflanzen in voller Sonne. Das klassische Prinzip „die richtige Pflanze am richtigen Standort“ bekommt damit im Zuge des Klimawandels eine neue Bedeutung.
Das Thema betrifft auch die Schweiz
Was zunächst nach einem britischen Problem klingt, ist für die Schweiz mindestens ebenso relevant. Die WSL weist darauf hin, dass Trockenperioden und Hitzewellen mit dem Klimawandel häufiger werden. Gleichzeitig werden in der Schweiz bereits heute mehr sehr warme Tage registriert als noch vor fünfzig Jahren.
Der Sommer 2026 hat gezeigt, wie schnell sich solche Bedingungen zuspitzen können. Die WSL bezeichnete ihn als aussergewöhnlich trocken und heiss; vielerorts wurden bereits im Juli rekordtiefe Wasserstände und stark ausgetrocknete Böden gemessen. Bei sehr hohen Temperaturen, trockener Luft und wenig Bodenwasser können Blattverbrennungen laut WSL bereits nach wenigen Tagen auftreten.
Für Hortensien ist genau diese Kombination problematisch. Besonders in tieferen Lagen, auf flachgründigen Böden, an Südhängen oder in aufgeheizten Siedlungsräumen wird der klassische vollsonnige Standort zunehmend kritisch. Das gilt auch für viele Gärten im Tessin, im Wallis oder in besonders warmen Lagen des Mittellandes.
Standortwahl wird wichtiger als bisher
Wer Hortensien neu pflanzt, sollte deshalb nicht mehr nur nach Blütenfarbe und Sorte auswählen. Entscheidend wird zunehmend die Frage, ob der Standort langfristig genügend Schutz vor Mittagssonne und Austrocknung bietet.
Ideal sind halbschattige Plätze, beispielsweise an der Ost- oder Nordseite eines Gebäudes oder im lichten Schatten grösserer Gehölze. Gleichzeitig sollte der Boden humos, durchlässig und möglichst gleichmässig feucht sein. Staunässe ist zwar ebenfalls ungünstig, ein Boden mit guter Wasserspeicherfähigkeit hilft der Pflanze jedoch entscheidend durch Trockenperioden. Eine ausreichend dicke Mulchschicht reduziert die Verdunstung und hält den Wurzelraum kühler. Auch die WSL empfiehlt bei Trockenstress Mulchen sowie humusreiche Böden, weil diese Wasser besser speichern können.
Lieber gründlich als ständig ein bisschen giessen
Bei Trockenheit empfiehlt die RHS, Hortensien tief und gründlich zu bewässern, anstatt jeden Tag kleine Mengen Wasser zu geben. Dadurch gelangt das Wasser tiefer in den Boden und fördert eine bessere Durchwurzelung. Containerpflanzen sollten bei Hitze nach Möglichkeit vorübergehend in den lichten Schatten gestellt werden. Hortensien in grossen Kübeln sind besonders gefährdet. Das Substrat kann sich innerhalb weniger Stunden stark erwärmen und austrocknen. Kleine Gefässe oder schwarze Kunststofftöpfe verschärfen dieses Problem zusätzlich.
Müssen wir auf Hortensien verzichten?
Nein. Die Entwicklung bedeutet nicht, dass Hortensien aus unseren Gärten verschwinden müssen. Sie zeigt vielmehr, dass ihre Verwendung differenzierter werden sollte. An einem geeigneten Standort mit genügend Bodenfeuchtigkeit können Bauernhortensien weiterhin hervorragend gedeihen. Problematisch wird es dort, wo Pflanzen nur aufgrund ihrer Optik gesetzt werden, obwohl Standort und Klima nicht passen. Bei sonnigeren und trockeneren Standorten kann Hydrangea paniculata die bessere Wahl sein. Noch sinnvoller kann es jedoch sein, grundsätzlich über trockenheitsverträglichere Gehölze und Stauden nachzudenken.
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