Regengärten: Wohin mit dem Wasser – und was passiert bei Trockenheit?

Regengärten gelten als zeitgemässe Antwort auf Starkregen und zunehmende Wetterextreme. Sie sollen Niederschlagswasser aufnehmen, die Kanalisation entlasten und gleichzeitig attraktive Pflanzflächen schaffen. Doch das Konzept wirft eine entscheidende gärtnerische Frage auf: Was geschieht mit den Pflanzen, wenn nach heftigen Regenfällen wochenlange Trockenheit folgt?

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Regengärten: Wohin mit dem Wasser – und was passiert bei Trockenheit?
Regengarten - Foto: Arlington County / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Regengärten werden zunehmend als Möglichkeit vorgestellt, private Gärten besser an den Klimawandel anzupassen. Das Prinzip ist einfach: Regenwasser von Dächern, Wegen oder anderen befestigten Flächen wird in eine flache, bepflanzte Mulde geleitet. Dort sammelt es sich vorübergehend und kann anschliessend in den Boden versickern, anstatt unmittelbar in die Kanalisation abzufliessen.

Neu ist dieses Verfahren allerdings nicht. Versickerungsmulden und Retentionsanlagen werden seit Langem auch im Strassenbau sowie auf gewerblichen und industriellen Grundstücken eingesetzt. Der Regengarten überträgt ein bekanntes wasserwirtschaftliches Prinzip auf den Hausgarten und verbindet es mit einer gestalterisch ansprechenden Bepflanzung.

Kein Teich, sondern eine zeitweise überflutete Pflanzfläche

Ein Regengarten ist grundsätzlich kein Teich und auch kein dauerhaft feuchtes Sumpfbeet. Seine Aufgabe besteht darin, anfallendes Regenwasser vorübergehend zurückzuhalten und anschliessend möglichst kontrolliert versickern zu lassen. Bei geeigneten Bodenverhältnissen sollte das Wasser innerhalb von etwa 24 bis 48 Stunden wieder verschwunden sein.

Damit unterscheidet sich der Standort deutlich von einem gewöhnlichen Feuchtbeet. Nach einem starken Niederschlag kann der Boden vollständig wassergesättigt sein, während er nach mehreren regenlosen Wochen stark austrocknet. Gerade auf sandigen oder kiesigen Untergründen können diese Gegensätze besonders ausgeprägt sein.

Hinzu kommt, dass die Versickerung nicht zwangsläufig bedeutet, dass sämtliches Wasser das Grundwasser erreicht. Ein Teil wird im Boden gespeichert, von Pflanzen aufgenommen oder verdunstet. Wie viel Wasser tatsächlich in tiefere Bodenschichten gelangt, hängt unter anderem von der Bodenbeschaffenheit, der Durchwurzelung und den örtlichen Grundwasserverhältnissen ab.

Funktionsweise eines Regengartens: Regenwasser wird in einer bepflanzten Mulde gesammelt und kann dort zeitverzögert versickern. Illustration: Gartenwoche.

Die entscheidende Schwachstelle: längere Trockenperioden

In vielen Darstellungen werden Regengärten als pflegeleicht beschrieben. Häufig ist sogar davon die Rede, dass sie nach dem Anwachsen kaum noch bewässert werden müssen. Diese Aussage kann unter günstigen Bedingungen zutreffen, lässt sich aber nicht ohne Weiteres auf jeden Standort übertragen.

Nach einem niederschlagsreichen Frühjahr kann eine Versickerungsmulde während des Sommers über Wochen trocken bleiben. Die Pflanzen müssen dann mit dem Wasser auskommen, das im durchwurzelbaren Boden gespeichert ist. Ist dieser Speicher erschöpft, unterscheiden sich ihre Bedürfnisse kaum von jenen anderer Gartenpflanzen.

Besonders problematisch wird dies bei Arten, die zwar zeitweise Überflutung vertragen, aber auf eine gleichmässige Bodenfeuchtigkeit angewiesen sind. Sie können während einer längeren Trockenperiode erheblich leiden oder sogar absterben. Auch einheimische Pflanzen sind nicht automatisch für solche wechselnden Bedingungen geeignet.

Ein Regengarten ist deshalb nicht allein durch seine Bauweise klimaangepasst. Entscheidend ist, ob Bodenaufbau, Wasserzufluss und Bepflanzung tatsächlich zusammenpassen.

Pflanzen müssen zwei gegensätzliche Bedingungen vertragen

Die Auswahl geeigneter Pflanzen gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben bei der Planung eines Regengartens. Gesucht werden Arten, die kurzfristig mit wassergesättigten Böden zurechtkommen, gleichzeitig aber auch längere trockene Phasen überstehen können. Solche Eigenschaften sind keineswegs bei allen als robust geltenden Stauden vorhanden.

Für die tieferen Bereiche kommen beispielsweise bestimmte Seggen (Carex), die Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) oder, bei ausreichender Restfeuchtigkeit, das Pfeifengras (Molinia caerulea) infrage. Diese Arten unterscheiden sich allerdings deutlich in ihren Standortansprüchen. Besonders die Rasen-Schmiele und das Pfeifengras sind keine uneingeschränkt trockenheitsverträglichen Pflanzen.

Auch die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) wird gelegentlich für Regengärten empfohlen. Sie verträgt zeitweise feuchte Böden, benötigt aber während längerer Trockenperioden ausreichend Feuchtigkeit. Auf stark austrocknenden Standorten wäre sie deshalb keine besonders zuverlässige Wahl.

An den höher gelegenen Rändern ist die Pflanzenauswahl einfacher. Dort können trockenheitsverträgliche Stauden wie die Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium), der Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) oder bestimmte Storchschnabelarten eingesetzt werden. Diese Pflanzen eignen sich jedoch nicht für Bereiche, in denen das Wasser regelmässig längere Zeit stehen bleibt.

Eine sinnvolle Bepflanzung berücksichtigt deshalb verschiedene Feuchtigkeitszonen. Die tiefste Stelle, die seitlichen Böschungen und der obere Rand sollten nicht mit denselben Pflanzen bestückt werden.

Der Boden entscheidet über Erfolg oder Misserfolg

Ob ein Regengarten funktioniert, hängt wesentlich von der Versickerungsfähigkeit des Untergrunds ab. Auf sehr durchlässigen Böden verschwindet das Wasser rasch, während schwere, verdichtete Lehmböden den Abfluss erheblich verzögern können. Beide Situationen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Bepflanzung.

Bei schlechter Versickerung kann die Mulde nach starken Regenfällen über längere Zeit unter Wasser stehen. Dadurch entsteht Sauerstoffmangel im Wurzelbereich, der zahlreiche Stauden schädigt. Auf sehr durchlässigen Böden besteht dagegen die Gefahr, dass der Wurzelraum während längerer Trockenperioden kaum noch pflanzenverfügbares Wasser enthält.

Ein durchdachter Bodenaufbau muss daher sowohl eine ausreichende Versickerungsleistung als auch ein gewisses Wasserspeichervermögen gewährleisten. Einfach eine Vertiefung auszuheben, mit Pflanzen zu bestücken und das Regenrohr hineinzuleiten, genügt nicht.

Vor der Anlage sollten die örtlichen Bodenverhältnisse und die Versickerungsfähigkeit geprüft werden. Ebenso wichtig sind ein ausreichender Abstand zu Gebäudefundamenten, die Lage am Hang und ein sicherer Überlauf für aussergewöhnlich starke Niederschläge.

Nicht jedes Regenwasser darf einfach versickern

Auch die Herkunft des Regenwassers spielt eine Rolle. Wasser von geeigneten Dachflächen lässt sich unter Umständen vergleichsweise unkompliziert versickern. Anders kann die Situation bei Verkehrsflächen, Parkplätzen oder belasteten Dachmaterialien aussehen.

Abfliessendes Regenwasser kann Schadstoffe aufnehmen, beispielsweise Schwermetalle, Reifenabrieb oder andere Rückstände. Eine bepflanzte Mulde kann zwar zur Rückhaltung bestimmter Stoffe beitragen, ersetzt aber nicht in jedem Fall eine fachgerechte Vorbehandlung.

In der Schweiz unterliegen Versickerungsanlagen den geltenden Gewässerschutzvorschriften sowie kantonalen und kommunalen Anforderungen. Wer eine Anlage plant, sollte deshalb frühzeitig klären, ob die vorgesehene Versickerung am Standort zulässig ist und welche technischen Vorgaben einzuhalten sind.

Wie viel Pflege benötigt ein Regengarten?

Gerade in den ersten ein bis zwei Jahren benötigen die Pflanzen besondere Aufmerksamkeit. Bis sich ein ausreichend tiefes Wurzelsystem entwickelt hat, kann während trockener Perioden eine regelmässige Bewässerung erforderlich sein. Auch Unkrautregulierung und die Kontrolle der Wasserzuführung gehören zur Anwachs- und Entwicklungspflege.

Später hängt der Pflegeaufwand stark von der Pflanzenauswahl und den örtlichen Bedingungen ab. Gut eingewachsene, standortgerechte Stauden können mit vergleichsweise wenig Pflege auskommen. Bei extremer Trockenheit kann dennoch eine zusätzliche Bewässerung notwendig werden.

Ausserdem müssen Einläufe und Überläufe frei bleiben. Eingeschwemmtes Laub, Erde und andere Ablagerungen können die Versickerungsleistung beeinträchtigen. Ein Regengarten ist damit zwar nicht zwangsläufig pflegeintensiv, aber keineswegs wartungsfrei.

Wo Regengärten tatsächlich sinnvoll sind

Besonders sinnvoll können Regengärten dort sein, wo Niederschlagswasser von befestigten Flächen bislang unmittelbar abgeleitet wird und geeignete Bodenverhältnisse vorhanden sind. Sie können Abflussspitzen reduzieren, die örtliche Versickerung fördern und gleichzeitig zusätzliche begrünte Flächen schaffen.

Auch für die Biodiversität können sie einen Beitrag leisten, sofern geeignete Pflanzen verwendet werden und über die Vegetationsperiode hinweg ein ausreichendes Blütenangebot vorhanden ist. Der ökologische Nutzen entsteht dabei nicht allein durch die Versickerungsmulde, sondern vor allem durch ihre standortgerechte und vielfältige Bepflanzung.

Nicht überall ist ein Regengarten jedoch die beste Lösung. Bei schwierigen Bodenverhältnissen, wenig Platz oder ungeeigneten Wasserzuflüssen können andere Massnahmen sinnvoller sein. Dazu gehören beispielsweise die Entsiegelung befestigter Flächen, wasserdurchlässige Beläge, fachgerecht geplante Versickerungsanlagen oder die Speicherung von Dachwasser in einer Zisterne.

Gerade die Kombination verschiedener Massnahmen kann Vorteile bringen. Während eine Versickerungsmulde überschüssiges Regenwasser aufnimmt, lässt sich in einer Zisterne gespeichertes Wasser während trockener Perioden gezielt zur Bewässerung verwenden.

Ein sinnvolles Konzept – aber kein Selbstläufer

Regengärten können einen wertvollen Beitrag zu einem naturnahen Umgang mit Niederschlagswasser leisten. Sie verbinden technische Funktionen mit gärtnerischer Gestaltung und bieten die Möglichkeit, bislang ungenutzte Flächen ökologisch aufzuwerten.

Allerdings lösen sie nicht automatisch die Probleme zunehmender Wetterextreme. Wer Regenwasser rasch versickern lässt, schafft damit noch keinen dauerhaft feuchten Pflanzenstandort. Gerade die Kombination aus kurzzeitiger Überflutung und längerer Trockenheit stellt hohe Anforderungen an die Bepflanzung.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob eine Anlage als Regengarten bezeichnet wird, sondern ob sie unter den tatsächlichen Standortbedingungen funktioniert. Erst wenn Wasserführung, Bodenaufbau und Pflanzenauswahl sorgfältig aufeinander abgestimmt sind, kann aus einer einfachen Versickerungsmulde ein dauerhaft attraktiver und ökologisch sinnvoller Gartenbereich werden.

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