Japankäfer im Tessin: 28 Millionen Käfer gefangen – doch die Ausbreitung geht weiter

Rund 28 Millionen Japankäfer wurden während der Saison 2026 im Tessin gefangen. Trotz dieser enormen Zahl und einer weiteren Zunahme der Käferpopulation blieben grössere landwirtschaftliche Ertragsverluste in diesem Jahr aus. Entwarnung geben die Behörden dennoch nicht: Der invasive Schädling breitet sich weiter aus, und für 2027 werden zusätzliche Massnahmen vorbereitet.

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Japankäfer im Tessin: 28 Millionen Käfer gefangen – doch die Ausbreitung geht weiter
**Japankäfer oder heimischer Käfer?** Der Japankäfer kann leicht mit dem Gartenlaubkäfer, Rosenkäfer, Maikäfer oder Junikäfer verwechselt werden. Unser Bildslider zeigt die verschiedenen Käferarten und hilft dabei, sie anhand ihrer äusseren Merkmale zu unterscheiden. **Mit den Pfeilen durch die Bilder klicken und vergleichen.** Fotos: © Bundesamt für Landwirtschaft BLW.
Japankäfer im Tessin: 28 Millionen Käfer gefangen – doch die Ausbreitung geht weiter
Japankäfer im Tessin: 28 Millionen Käfer gefangen – doch die Ausbreitung geht weiter
Japankäfer im Tessin: 28 Millionen Käfer gefangen – doch die Ausbreitung geht weiter
Japankäfer im Tessin: 28 Millionen Käfer gefangen – doch die Ausbreitung geht weiter

Der Japankäfer (Popillia japonica) hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der bedeutendsten invasiven Pflanzenschädlinge der Schweiz entwickelt. Besonders betroffen ist das Tessin, wo der Käfer erstmals 2017 nachgewiesen wurde und sich inzwischen in weiten Teilen des Kantons etabliert hat.

Ende Oktober veröffentlichte die Tessiner Landwirtschaftsabteilung die Bilanz der Bekämpfungs- und Überwachungssaison 2026. Insgesamt wurden in 71 Gemeinden rund 3'400 Lockstofffallen eingesetzt. Sie fingen während der Saison etwa 28 Millionen ausgewachsene Japankäfer.

Mehr Käfer als im Vorjahr

Die Überwachungsdaten zeigen, dass die Käferpopulation gegenüber 2025 in allen kontrollierten Gebieten zugenommen hat. Besonders ausgeprägt war die Zunahme in Regionen, die erst seit kürzerer Zeit besiedelt sind. Im Locarnese und auf der Magadinoebene hat der Japankäfer seine Präsenz weiter gefestigt.

Diese Gebiete bieten dem Schädling günstige Lebensbedingungen. Feuchte Wiesen und bewässerte Grünflächen eignen sich für die Eiablage und die Entwicklung der Larven. Gleichzeitig finden die ausgewachsenen Käfer ein grosses Angebot an geeigneten Futterpflanzen.

Die hohe Zahl gefangener Käfer bedeutet allerdings nicht, dass die Population entsprechend stark zurückgegangen ist. Die Fallen dienen auch der Überwachung und liefern wichtige Informationen über die Verbreitung und die räumlichen Schwerpunkte des Befalls.

Trotz starkem Befall keine grösseren Ernteverluste

Bemerkenswert ist, dass die Tessiner Behörden für 2026 keine bedeutenden landwirtschaftlichen Produktionsverluste meldeten. In besonders stark betroffenen Gebieten wurden zwar erhebliche Frassschäden an Blättern beobachtet, doch die Auswirkungen auf die Erträge blieben begrenzt.

Erstmals wurden auch Schäden an Sojakulturen und Maisblütenständen festgestellt. Auf einzelnen Weizenflächen traten zahlreiche Käfer auf, ohne dass daraus nennenswerte Ertragsverluste entstanden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Japankäfer ungefährlich geworden ist. Wie stark sich ein Befall auswirkt, hängt unter anderem von der betroffenen Pflanzenart, dem Entwicklungsstadium und den jeweiligen Witterungsbedingungen ab.

Hat die Sommerhitze den Japankäfer gebremst?

Eine interessante Beobachtung betrifft die Auswirkungen des trockenen und heissen Sommers. Die Larven des Japankäfers entwickeln sich im Boden und ernähren sich hauptsächlich von Graswurzeln. Für ihre frühe Entwicklung benötigen sie ausreichend Bodenfeuchtigkeit.

Die anhaltende Hitze und die geringen Niederschläge könnten deshalb in nicht bewässerten Wiesen zu einer erhöhten Larvensterblichkeit geführt haben. Ob dieser Effekt die Population tatsächlich spürbar reduziert hat, lässt sich derzeit jedoch noch nicht abschliessend beurteilen.

Die Tessiner Behörden wollen dazu die Ergebnisse weiterer Untersuchungen und die Fangzahlen der Saison 2027 auswerten. Besonders interessant ist die Frage, ob sich der Schädling auf regelmässig bewässerten Rasenflächen erfolgreicher entwickeln kann als auf trockenen Standorten.

Was bedeutet das für private Gärten?

Der Japankäfer ist nicht nur ein Problem der Landwirtschaft. Nach Angaben des Bundesamtes für Landwirtschaft kann er sich von mehr als 400 verschiedenen Nutz- und Zierpflanzen ernähren. Dazu gehören beispielsweise Rosen, Reben und verschiedene Obstgehölze.

Die ausgewachsenen Käfer fressen an Blättern, Blüten und teilweise auch an Früchten. Bei starkem Befall können sie Blätter bis auf die Blattadern abfressen. Besonders auffällig sind solche Schäden, wenn zahlreiche Käfer gleichzeitig auf einer Pflanze sitzen.

Auch Rasenflächen können betroffen sein. Die im Boden lebenden Larven fressen an den Wurzeln der Gräser. Bei hoher Larvendichte kann die Grasnarbe geschwächt werden und stellenweise absterben. Allerdings haben braune Rasenstellen zahlreiche mögliche Ursachen und sind für sich allein kein Nachweis eines Japankäferbefalls.

Japankäfer sicher erkennen

Der ausgewachsene Japankäfer ist etwa 10 bis 12 Millimeter lang. Auffällig sind sein metallisch grün schimmernder Kopf und Halsschild sowie die kupferbraunen Flügeldecken.

Ein besonders wichtiges Erkennungsmerkmal sind die kleinen weissen Haarbüschel an den Seiten des Hinterleibs. Dort befinden sich auf jeder Seite fünf Büschel; weitere sind am Hinterleibsende sichtbar. Diese Merkmale helfen, den Japankäfer von ähnlich aussehenden heimischen Käferarten zu unterscheiden.

Wer einen verdächtigen Käfer entdeckt, sollte ihn möglichst fotografieren und sichern. Der Japankäfer ist in der Schweiz melde- und bekämpfungspflichtig. Funde sind dem zuständigen kantonalen Pflanzenschutzdienst zu melden.

Vorsicht bei der Verschleppung

Ein wesentlicher Grund für die weitere Ausbreitung ist die unbeabsichtigte Verschleppung durch den Menschen. Ausgewachsene Käfer können in Fahrzeugen, Gepäck oder zwischen transportierten Gegenständen mitreisen. Eier und Larven können ausserdem mit Erde und Pflanzenmaterial verbreitet werden.

Das Bundesamt für Landwirtschaft empfiehlt deshalb, bei der Rückreise aus Befallsgebieten Fahrzeuge und Gepäck auf Käfer zu kontrollieren. Besonders wichtig ist diese Vorsicht während der Flugzeit der erwachsenen Tiere im Sommer.

Für den Transport von Pflanzen, Erde und Grünmaterial können in abgegrenzten Befallsgebieten zusätzliche amtliche Einschränkungen gelten. Gartenbesitzer sollten deshalb die jeweils aktuellen kantonalen Vorschriften beachten.

Neue Strategie für 2027 geplant

Die Tessiner Behörden wollen die Ergebnisse der diesjährigen Überwachung nutzen, um die Bekämpfung gezielter auszurichten. Bis Ende 2026 sollen Bund, Kanton, Gemeinden und weitere Beteiligte mögliche Verbesserungen der bisherigen Strategie erarbeiten.

Bereits angekündigt ist eine Erweiterung der abgegrenzten Befallszone nach Norden. Die genauen Grenzen sollen Anfang 2027 durch das Bundesamt für Landwirtschaft bekannt gegeben werden.

Die Erfahrungen aus dem Tessin zeigen, wie schwierig die Eindämmung eines invasiven Schädlings ist, sobald er sich grossflächig etabliert hat. Umso wichtiger bleiben die frühzeitige Erkennung neuer Befallsherde, die Zusammenarbeit der Behörden und die Mithilfe der Bevölkerung.

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